13. August 2019

70.000 Euro Schmerzensgeld

Darmkrebs nicht erkannt

70.000 Euro Schmerzensgeld hat das Oberlandesgericht Braunschweig den Erben einer Patientin zugesprochen, die an einem zu spät erkannten Darmkrebs gestorben war (Az.: 9 U 129/15)1

Lesedauer: 1 Minute

Keine Darmspiegelung veranlasst

Die Patientin stellte sich beim behandelnden Arzt nach Überweisung wegen (teilweise spritzender) Blutungen aus dem Anus sowie täglich mehrfacher Diarrhoe und Meteorismus vor. Der Internist diagnostizierte und behandelte Hämorrhoiden und eine Analfissur. Die Patientin stellte sich circa 1 Monat später erneut vor. Eine Darm- oder Mastdarmspiegelung wurden durch den Arzt jedoch nicht veranlasst. Weitere sieben Monate später wurde bei der Patientin durch andere Ärzte Darmkrebs diagnostiziert, der bereits in die Leber metastasiert war.

Grober Behandlungsfehler

Das Gericht hat dem Erben einen Schmerzensgeldbetrag in Höhe von 70.000 Euro sowie Verdienstausfall von ca. 42.000 Euro zugesprochen. Die Einholung eines Sachverständigengutachtens habe ergeben, dass dem Internisten ein Behandlungsfehler unterlaufen sei, indem er es unterlassen habe, bei der Patientin eine Rektoskopie durchzuführen, welche mit hinreichender Wahrscheinlichkeit einen reaktionspflichtigen Befund ergeben hätte. Das Nichtreagieren auf diesen Befund sei als grober Behandlungsfehler einzustufen.

Was sollte man tun, wenn ein Patient den Vorwurf eines Behandlungsfehlers erhebt? Welche Erstmaßnahmen müssen getroffen werden? Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie in unserem Beitrag „Behandlungsfehlervorwurf: Wichtige Tipps für Ärzte”

Aufgrund des Behandlungsfehlers sei es zu einem Fortschreiten des Tumors gekommen, dessen Metastasierung letztendlich zum Versterben der Patientin geführt habe. Da ein grober Behandlungsfehler angenommen wurde, konnte sich der behandelnde Arzt in Bezug auf die Kausalität der Gesundheitsschäden nicht entlasten. Zum Zeitpunkt der erforderlichen Rektoskopie habe – so der Sachverständige – bereits ein Tumor im Tumorstadium T2 vorgelegen. Die Beschwerden der Patientin seien Auswirkungen des Primärtumors gewesen, eine Rektoskopie hätte bei diesen Symptomen zwingend erfolgen müssen.

  1. OLG Braunschweig, 28.02.2019 – 9 U 129/15

Autorin: Alexa Frey

Bildquelle: ©Getty Images/nirat

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