24. Juli 2019

Fünf Jahre Haft für falschen Arzt

Ein falscher Arzt ist in Kassel zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht sprach den 37-Jährigen unter anderem wegen gewerbsmäßiger Urkundenfälschung, Betrug und versuchter Körperverletzung schuldig. Er hatte sich mit falschen Dokumenten als Arzt beworben und war auch eingestellt worden.1

Lesedauer: 1 Minute

Der 37-jährige libysche Staatsangehörige muss außerdem 22.000 Euro zurückzahlen, die er als Arzt verdient hatte. Die vorherige Verurteilung zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft wurde in die neue Strafe eingerechnet. Das aktuell Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Dreistigkeit des Mannes versetzte selbst Richter und Staatsanwaltschaft immer wieder in Erstaunen. Er hatte sich eine ganze Sammlung von gefälschten Unterlagen zugelegt – von Zulassungen bis zur Aufenthaltsberechtigung. So täuschte er Arbeitgeber und Personalvermittler. Er wurde in einer Kasseler Praxis, einer Klinik in Melsungen (Schwalm-Eder-Kreis) sowie in einer Klinik in Kemnath (Bayern) eingestellt.

In Libyen hatte der Mann zwar eine medizinische Ausbildung gemacht. Bei einer Kenntnisprüfung in Deutschland war er aber durchgefallen. Auch coliquio hatte über die ungewöhnliche Gerichtsverhandlung berichtet: Prozess gegen Hochstapler: „Ich bin trotzdem Arzt“.

Keine Strafe für Behandlungsfehler

Was dem Angeklagten zugute kam: Für Behandlungsfehler – unter anderem hatte er einem Säugling ein falsches Medikament verschrieben – wurde er nicht bestraft, weil das Gericht keinen Vorsatz sah und niemand verletzt wurde. Allerdings wurde er dafür verurteilt, dass er nach einem Streit versuchte, einen Verteiler von Pizza-Werbung anzufahren – mit vertauschten Kennzeichen und in einem abgemeldeten Auto. Man könne das fast als Slapstick bezeichnen, wenn es nicht so ernst wäre, sagte der Richter.

Die Täuschungen in Kliniken und der Praxis sind dem 37-Jährigen laut Gericht leicht gemacht worden. „Es ist praktisch nie eine Original-Urkunde verlangt worden.” Selbst Widersprüche in den Unterlagen seien nicht aufgefallen.

  1. dpa, 24.07.2019

Bildquelle: © Getty Images/Andranik Hakobyan

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