05. November 2019

Mutmaßlich falsche Ärztin zeigte sich selbst an

Vier Menschen sterben unter Narkose in einer Klinik. Eine mutmaßlich falsche Ärztin sitzt deswegen in Untersuchungshaft. Die Frau soll sich mit gefälschten Unterlagen beworben haben – und informierte die Behörden später selbst darüber. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Ärztekammer stellte gleichzeitig Strafanzeige

Eine mutmaßlich falsche Ärztin aus Nordhessen hat laut Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen sich selbst in Rollen gebracht. Die Frau habe Selbstanzeige wegen Anstellungsbetrugs gestellt, sagte Behördensprecher Götz Wied am Montag in Kassel. Parallel sei aber auch eine Anzeige der Landesärztekammer Hessen eingegangen. Die Frau sitzt seit Ende Oktober in Untersuchungshaft. Sie soll während ihrer Tätigkeit in einer Klinik in Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis) vier Todesfälle zu verantworten haben.

Die 48-Jährige hatte von 2015 bis 2018 in der Klinik Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar als Assistenzärztin gearbeitet. Sie soll ohne entsprechende Ausbildung Patienten betäubt haben. Vier starben, in acht weiteren Fällen sollen Gesundheitsschäden eingetreten sein. Ob es weitere Opfer gibt, prüfen die Behörden.

Ermittlung gegen Klinikärzte wegen Verletzung der Aufsichtspflicht

Im Rahmen der Ermittlungen gab es Durchsuchungen in verschiedenen Bundesländern: Neben der Klinik in Hessen wurden die Privaträume der Frau durchsucht, die zuletzt in Kiel (Schleswig-Holstein) wohnte. Außerdem wurden Arbeitsplätze von zwei Medizinern in Hessen und in Brandenburg durchsucht. Es werde geprüft, ob die damals in der Klinik tätigen Ärzte ihre Aufsichtspflicht verletzt haben, indem sie die Frau als Anästhesistin trotz mangelhafter Leistungen weiter arbeiten ließen. 2

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Aufgeflogen bei Wechsel der Kammer

Aufgeflogen war die mutmaßliche Betrügerin bei einem Mitgliedschaftswechsel der Ärztekammer von Hessen nach Schleswig-Holstein. „Einem Mitarbeiter der Ärztekammer Schleswig-Holstein sind im Zuge der Überprüfung der eingereichten Approbationsurkunde Unstimmigkeiten aufgefallen“, erklärte ein Sprecher der Kammer in Bad Segeberg. Nach Rücksprache mit der Behörde, die die Zulassung angeblich ausgestellt hatte, sei die Fälschung erkannt und die Landesärztekammer Hessen informiert worden. Diese hat am 19. November 2018 Strafanzeige erstellt.

Patientenschützer fordern neues Kontrollsystem

Angesichts der neuen Details bekräftigte die Deutsche Stiftung Patientenschutz ihre Forderung nach einer Reform des bisherigen Kontrollsystems: Um es Tätern im Vorfeld schwer zu machen, sollten die entsprechenden Prüfungsämter einbezogen werden und vor Ausstellung der Approbation die Echtheit des Staatsexamens bestätigen. Zudem brauche es ein Zentralregister bei der Bundesärztekammer und eine Pflicht für Krankenhausträger, dort die Zulassungen von Ärzten abzufragen.

  1. dpa, 04.11.2019
  2. dpa, 01.11.2019

Bildquelle: © Getty Images/Milan Markovic

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