25. Februar 2020

EMDR bei Angststörungen: Nutzen laut IQWiG nicht belegt

Schwache Studien zu Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) bieten laut IQWiG keinen Anhaltspunkt für die Ableitung eines Nutzens. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) wird in Deutschland seit den 1990er Jahren bei der Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen eingesetzt und nur für diese Indikation auch seit 2015 von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Auch bei Angststörungen wird EMDR angewandt, ist dann aber nicht zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung abrechenbar.

Bei der EMDR-Methode sollen (angstbesetzte) Ereignisse oder Situationen aus der Vergangenheit vergegenwärtigt und mit Hilfe der wechselseitigen Aktivierung beider Gehirnhälften aufgearbeitet werden – z. B. durch das Folgen eines sich hin und her bewegenden Fingers mit den Augen oder alternativ durch wechselseitige Töne oder auch das wechselseitige Berühren der Patientenhände. Nach mehreren Wiederholungen der EMDR-Behandlung soll die negative Reaktion auf die Erinnerung immer schwächer und so die Angststörung gemildert werden.

Im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat nun eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe der Universität Witten/Herdecke und der Fernuniversität Hagen im Rahmen des ThemenCheck Medizin untersucht, ob eine EMDR-Behandlung bei Angststörungen hilft.

Die Indikationen, die in den berücksichtigten Studien des HTA-Berichts (HTA = Health-Technology-Assessment) untersucht wurden, waren: Prüfungsangst, Angst vor öffentlichem Reden / Auftritten, Panikstörungen, Angst vor Spinnen oder zahnärztlichen Behandlungen und Flugangst. Die Studien verglichen eine EMDR-Therapie mit den Alternativen „keine Behandlung“, Verhaltenstherapie, EMDR ohne Augenbewegung, EMDR mit einem anderen Stimulus, Hypnose / Biofeedback und (imaginäre) Expositionstherapie.

Allerdings konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den insgesamt 22 in diesen HTA-Bericht eingeschlossenen Studien keine Aussagen zum Nutzen von EMDR ableiten. Dies hatte folgende Gründe: Ein hohes Verzerrungspotenzial und eine mangelhafte Berichtsqualität erschwerten die Interpretation der Daten. Zudem war die Studiendauer vielfach zu kurz, um zu Langzeiteffekten Aussagen treffen zu können. Somit bleibe unklar, ob ein möglicher Therapieerfolg auch anhält, heißt es in dem HTA-Bericht. Dies gelte für alle patientenrelevanten Endpunkte, die in den Studien berichtet wurden: Angst, Depression, angstspezifische Effekte wie Vermeidungsverhalten oder körperliche Symptome, gesundheitsbezogene Lebensqualität und psychosoziale Aspekte.

Im Ergebnis gibt es keine Evidenz dafür, dass EMDR gleich gut oder womöglich besser wirkt als die kognitive Verhaltenstherapie.

  1. idw, 22.02.2020

Bildquelle: © Getty Images/ medlar

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