04. Februar 2020

Wenn der Defibrillator-Schock versehentlich den Helfer trifft

Im Rahmen der kardiopulmonalen Wiederbelebung ist es schnell mal passiert: Nicht nur der Patient mit dem Herzkreislauf-Stillstand erhält den Schock mit dem Defibrillator, sondern auch der Ersthelfer, Sanitäter oder Notarzt. Was ist in solch einem Fall zu tun und wie kann man das Risiko reduzieren?1,2

Lesedauer: 1 Minute

Dies erläutern Notfallmediziner aus Texas in einem Kommentar. Der unbeabsichtigte Schock ist im klinischen Alltag gar nicht so selten: Nach einer Studie liegt die Häufigkeit bei 1 pro 1700 Defibrillatoreinsätzen bei Krankenhausmitarbeitern und 1 pro 1000 bei Rettungssanitätern. Die Dunkelziffer könnte noch wesentlich höher liegen, weil viele Ereignisse wahrscheinlich gar nicht berichtet werden.

Zweiphasige Defibrillatoren bringen es immerhin auf eine Stromdichte bis zu 360 Joule. Wieviel der Helfer davon abbekommt, hängt auch vom Widerstand ab. Leitfähiges Material wie menschliches Gewebe, Metall, Flüssigkeiten oder ein nasser Untergrund erhöhen die Gefahr starker Stromschläge. Durch das Tragen isolierender Kleidung und Handschuhen lässt sich die Gefahr reduzieren. Am stärksten ist der Schock, wenn die Oberfläche der Elektrode mit der bloßen Hand berührt wird, eher schwach dagegen, wenn der Patient distal mit Handschuhen berührt wird.

Am häufigsten kommt es bei einem unbeabsichtigten Schock zu Symptomen wie Kribbeln, kurzen Parästhesien und Muskelschmerzen, die bis zu 24 Stunden anhalten können. Bei hoher Stromstärke drohen aber auch schwerwiegende kardiale Folgen wie Vorhof- oder Kammerflimmern. Besonders gefährdet sind hier Personen mit Herzrhythmusstörungen oder strukturellen Herzerkrankungen.

Die Autoren empfehlen bei jedem Helfer, der einen versehentlichen Schock erhalten hat, nach einer gezielten Anamnese zumindest Vitalfunktionen und Haut zu untersuchen sowie eine Herzauskultation und ein EKG durchzuführen. In der Notfallmedizinliteratur werden neben dem EKG auch noch eine Urinanalyse, ein vollständiges Blutbild und ein Stoffwechselcheck empfohlen. Eine Langzeitüberwachung scheint nicht nötig, da bisher keine erst später auftretenden Herzrhythmusstörungen beobachtet wurden.

  1. Lowery DR et al. Are we all clear? Unintended shocks to caregivers during cardiopulmonary resuscitation. Cleveland Clinic Journal of Medicine 2020; 87 (1) 16-18.
  2. Reanimation – wenn der Schock den Falschen trifft. ÄrzteZeitung, 30.01.2020

Bildquelle: © Getty Images/Pixel_away

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