15. März 2021

Covid-19

Geöffnete Restaurants erhöhen Fallzahlen und Todesfälle

Unterschiedliche Regelungen innerhalb eines Landes bieten die Möglichkeit, die präventiven Wirkungen verschiedener Maßnahmen zu vergleichen. Nach einer entsprechenden Untersuchung aus den USA bietet die Maskenpflicht einen guten Schutz vor Covid-19, während offene Innenbereiche in den Restaurants zu einem deutlichen Anstieg der Infektionszahlen führen. 1,2

Lesedauer: 3,5 Minuten

Die Einführung der Maskenpflicht in verschiedenen US-Bundesländern führte zu einem deutlichen Rückgang der Covid-19-Fälle, was sich mit zunehmender Dauer sogar noch verstärkte. Auch die Sterbefälle gingen dadurch zurück.

Wichtigste Maßnahme: Maskenpflicht und Restaurant-Schließung

Mitte Juni 2020 durften dann Lokale in einigen Bundesländern wieder öffnen. Dies führte nach 40 Tagen zu einem klaren Anstieg der Covid-19-Fälle – um 0,9 % bis zum 60. Tag und danach um 1,2 und 1,1 % in den beiden folgenden 20-Tages-Intervallen. Parallel stieg auch die Zahl der Todesfälle an. Die Autoren der US-amerikanischen Studie gehen daher davon aus, dass die Maskenpflicht und die Schließung von Restaurants zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen in der Covid-19-Pandemie gehören.

Deutschlands Intensivärzte: Lockdown, um dritte Welle zu verhindern

Angesichts steigender Corona-Zahlen fordern Deutschlands Intensivärzte eine sofortige Rückkehr in den Lockdown. „Von den Daten, die wir jetzt haben und sehen und mit dem Durchsetzen der britischen Mutante würden wir sehr stark dafür plädieren, jetzt sofort wieder in einen Lockdown zu gehen, um einfach eine starke dritte Welle zu verhindern“, sagte der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, am Montag im rbb-Sender Radioeins. DIVI ist die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin.

Karagiannidis sagte, er hoffe sehr, dass die Länder die beschlossene Notbremse eines Inzidenzwerts von 100 durchsetzen. Bund und Länder hatten eine Rückkehr in den Lockdown vereinbart, wenn in einer Region die Zahl der Neuinfektionen wieder die Marke von 100 pro 100.000 Einwohnern in 7 Tagen erreicht. „Ansonsten würden wir jetzt noch einmal 5.000, 6.000 Patienten auf der Intensivstation sehen“, sagte Karagiannidis. „Man sieht sehr deutlich, dass wir sehr schnell jetzt wieder in steigende Intensivzahlen geraten werden, sofern wir dem Virus jetzt die Möglichkeit dazu geben.“ Derzeit sind rund 2.800 Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung.

„Wir gewinnen auch nicht viel, wenn wir jetzt die nächsten ein, zwei Wochen offen lassen, weil wir ganz schnell auf einem hohen Niveau ankommen und es auf dem hohen Niveau doppelt so schwierig sein wird, von den Zahlen wieder herunter zu kommen“, sagte Karagiannidis.

Hohe Belastung für Personal auf Intensivstationen

Wichtig sei es, nun die über 50- und über 60-Jährigen schnell zu impfen. Dann würden auch weniger Menschen mit Covid-19 schwer krank. Die Belastung für das Personal auf den Intensivstationen sei bis heute ohne Unterbrechung sehr hoch und steige nun wieder weiter. Es gelte, sich in den Sommer zu retten, sagte Karagiannidis, der selbst Arzt an einer Kölner Lungenklinik ist.

Positiv sei es, wenn umfangreich auf Corona getestet werde. So könnten wahrscheinlich rund 50 bis 60 % der Infektionsfälle entdeckt werden. Am Montag gab es 6.604 registrierte Corona-Neuinfektionen. Das sind rund 1.600 mehr als am Montag vor einer Woche. Der Inzidenzwert stieg von 79 auf 82,9. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit Covid-19 stieg um 47 auf 73.418. Dem bundesweiten Sieben-Tage-R-Wert zufolge stecken 100 Infizierte derzeit rechnerisch 119 weitere Menschen an. Das ging aus Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. 3

Auch Schulöffnungen ohne funktionierende Testabläufe können Inzidenzwert in die Höhe treiben

Der Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach, hat einen Schulstopp bis Ostern gefordert. „Ich appelliere an die Länder, alle Schulen bis Ostern wieder zu schließen, auch die Grundschulen“, sagte Lauterbach der „Rheinischen Post“ (Montag). Als Grund für seine Forderung nannte Lauterbach die Virusmutationen, die sich „insbesondere bei den Jüngeren rasant ausbreiten“.

Die erneute Schließung von Schulen könne nur abgewendet werden, wenn Schüler zweimal pro Woche mit Schnelltests auf das Coronavirus getestet würden. Schulen, die dies noch nicht vorbereitet haben, sollten wieder geschlossen werden, sagte Lauterbach. „Es war ein Fehler, die Schulen ohne flächendeckend funktionierende Testabläufe zu öffnen. Bis Ostern sollten Lehrer und anderes Schulpersonal darin trainiert werden, die Schüler an allen Schulen an den Schnelltests anzuleiten.“

Lauterbach: Notbremse konsequent ziehen und zügig impfen

Neben den Schulschließungen forderte Lauterbach zudem zwei weitere Maßnahmen, „um die Lage beherrschbar zu halten und die Krankenhäuser nicht zu überfordern“. Der Gesundheitsexperte forderte die Länderchefs auf, die bei der Ministerpräsidentenkonferenz beschlossene Notbremse konsequent zu ziehen, wenn in Regionen die Sieben-Tage-Inzidenz über 100 steige. „Es darf keine lokalen Ausnahmen bei der Notbremse geben“, sagte Lauterbach. Außerdem müsse man mit dem Impfen konsequent und zügig voranschreiten. 4

  1. Gery P. Guy Jr at al; Association of State-Issued Mask Mandates and Allowing On-Premises Restaurant Dining with County-Level COVID-19 Case and Death Growth Rates — United States; March 1–December 31, 2020; MMWR Morb Mortal Wkly Rep (2021); doi: http://dx.doi.org/10.15585/mmwr.mm7010e3
  2. Study finds mask mandates, dining out influence virus spread; MedicalXpress.
  3. dpa, 15.03., 09:44 Uhr
  4. dpa, 14.03., 16:10 Uhr

Bildquelle: © gettyImages/Pedro Talens Masip

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