11. November 2020

Covid-19

Noch kein klarer Trend bei Infektionslage

Hat Deutschland die zweite Corona-Welle im Griff, oder sind weitere Einschränkungen notwendig? Darüber wollen Bund und Länder am Montag beraten. Doch schon jetzt werden erste Vorschläge laut.1

Lesedauer: 3,5 Minuten

Wenige Tage vor neuen Bund-Länder-Gesprächen zu den Corona-Maßnahmen in Deutschland gibt die Bundesregierung noch keine Entwarnung. Angesichts von bundesweit fast 18 500 Neuinfektionen binnen 24 Stunden sei es zu früh, von einer Trendwende zu sprechen, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die Dynamik des Infektionsgeschehens habe sich aber in den vergangenen Tagen deutlich reduziert. „Es steigt noch, aber es steigt weniger stark.“ Auch Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer sprach von einer positiven Tendenz. „Aber ob das jetzt der Wellenbrecher war, wird sich noch zeigen müssen.“ Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte im ARD-„Morgenmagazin“: „Die Zahlen, die wir jetzt haben, reichen bei weitem nicht aus. Wir haben maximal eine leichte Seitwärtsbewegung erreicht.“

Drosten: Mehrere Ursachen für aktuelle Entwicklung

Der Berliner Virologe Christian Drosten sagte in der am Dienstag veröffentlichten Folge des „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info, bei der Entwicklung der Corona-Fallzahlen in Deutschland zeichne sich seit ungefähr einer Woche eine Verlangsamung ab. Die Geschwindigkeit des Zuwachses sei geringer geworden. „Das ist eine wirklich gute Nachricht.“ Diese Entwicklung könne mehrere Ursachen haben. Drosten nannte etwa die Herbstferien oder mögliche Verhaltensänderungen der Menschen angesichts der sich abzeichnenden Lage-Verschlechterung Mitte Oktober. Es könne aber auch sein, dass man derzeit wegen der Überlastung der Labore und der Kontaktnachverfolgung nicht mehr merke, „was in der Bevölkerung los ist“.

Aktuelle Entwicklungen der Corona-Zahlen sind laut RKI noch nicht mit den Anfang November in Kraft getretenen neuen Beschränkungen in Verbindung zu bringen. Diese dürften sich frühestens kommende Woche auf die Werte auswirken. Erstmals seit Ende September sank die Zahl der innerhalb von sieben Tagen an die Gesundheitsämter gemeldeten Neuinfektionen, wenn auch nur leicht. Berücksichtigt sind dabei nur Fälle, von denen das RKI bereits Kenntnis hatte. Wie aus RKI-Angaben vom Mittwochmorgen hervorgeht, gab es zuletzt binnen einer Woche 114 881 solcher Nachweise. Der Wert sank demnach im Vergleich zum Vortag um 787. Ob dieser leichte Rückgang auf eine Trendwende bei der Corona-Lage hindeutet, ist allerdings unklar. Bei dem Wert könnte es sich auch um einen Ausreißer handeln. Eine RKI-Sprecherin wollte den Rückgang nicht kommentieren.

Zwischenfazit des Teil-Lockdown kommenden Montag

Die seit Anfang vergangener Woche geltenden Einschränkungen wie das Verbot von Restaurantbesuchen und touristischen Übernachtungen hat aus Sicht der Regierung damit noch nicht zum erwünschten deutlichen Rückgang der Infektionszahlen geführt. Über die Frage, ob weitere Maßnahmen notwendig sein könnten, wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder am kommenden Montag beraten und ein Zwischenfazit des Teil-Lockdowns ziehen.

Nach Spahns Worten dürfte es dann auch um den Vorschlag von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) gehen, die Weihnachtsferien an den Schulen vorzuverlegen. „Das ist sicherlich ein Teil der Debatte“, sagte Spahn. Für Eltern, Kinder und Lehrer sei Planbarkeit wichtig. „Das wäre mit so einer Maßnahme gegeben.“ Laschet hatte einen um zwei Tage früheren Beginn der Winterferien ins Spiel gebracht. Hintergrund der Überlegungen ist, dass die Menschen vor Weihnachten die Kontakte möglichst beschränken sollten, damit es bei den Familienfeiern nicht zu Ansteckungen kommt.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, er hoffe, dass Deutschland um Weihnachten und den Jahreswechsel herum „in einer epidemiologisch besseren Situation“ sei. „Und das geht nur mit Disziplin.“ Seehofer warnte, man dürfe nicht nachlassen mit der Begründung, der Anstieg der Infektionszahlen sei nicht mehr so dynamisch. „Unterschätzen Sie nicht bei schweren Erkrankungen mit Covid-19, dass viele der schwer Erkrankten lebenslang Folgeschäden haben.“

Demmer betonte: „Nach wie vor steigt die Zahl der Neuinfektionen in allen Bundesländern und auch in allen Altersgruppen, wenn auch weniger stark.“ Es gelte, die Zahlen zu senken. „Wir haben es weiter gemeinsam in der Hand, die Zahlen zu senken. Dass das gelingen kann, hat sich im Frühjahr gezeigt.“ Damals hatte es in Deutschland noch weitergehende Kontaktbeschränkungen gegeben als derzeit.

EU-Kommission billigt Rahmenvertrag mit Biontech und Pfizer

Unterdessen hat die EU-Kommission formal den Rahmenvertrag mit den Firmen Biontech und Pfizer für bis zu 300 Millionen Dosen des vielversprechenden Corona-Impfstoffs gebilligt. Nach einer EU-Vereinbarung werden künftige Impfstoffe nach der Bevölkerungszahl verteilt. Deutschland kann demnach aus diesem Rahmenvertrag mit knapp einem Fünftel der Menge rechnen – rechnerisch bis zu 57 Millionen Einheiten. Spahn hofft sogar auf bis zu 100 Millionen Impfdosen.

1. dpa; 11.11.2020.
Titelbild: © Getty Images/

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