27. April 2020

Vorsichtige Lockerung der Corona-Beschränkungen in etlichen Staaten

Nach wochenlangem Stillstand wegen der Corona-Pandemie lockern einige Staaten vorsichtig und schrittweise ihre teils einschneidenden Beschränkungen. Die Lage in den einzelnen Staaten im Überblick.1

Lesedauer: 4 Minuten

Italien: Plan zu schrittweisen Öffnung des Landes

Italien hebt ab dem 4. Mai eine Reihe von Beschränkungen auf und erlaubt etwa wieder mehr Sport im Freien und mehr Bewegungsmöglichkeiten in der eigenen Region. Das kündigte Ministerpräsident Giuseppe Conte am Sonntagabend zusammen mit seinem Plan zur Öffnung des Landes an. Auch die Wirtschaft soll in mehreren Etappen starten. Italiens Schulen bleiben aber bis zu den Sommerferien geschlossen, sie öffnen erst im September wieder.

Italien registrierte seit Februar mehr als 26 600 Corona-Tote. Insgesamt zählte der Zivilschutz fast 200 000 Menschen, die sich mit dem Sars-CoV-2-Erreger infiziert hatten – es gibt aber eine hohe Dunkelziffer. Nach Wochen des steilen Anstiegs der Zahlen gab es dennoch zuletzt positive Signale. So entspannte sich die Lage in den lange überfüllten Krankenhäusern.

Schweiz: Friseure und Baumärkte öffnen

Ab diesem Montag dürfen etwa Friseurgeschäfte, Kosmetik- oder Nagelstudios sowie Baumärkte und Gartencenter wieder öffnen. Ärzte und Physiotherapeuten können ihre Praxen wieder auch für nicht dringende Termine öffnen, Krankenhäuser dürfen wieder seit Beginn der Krise aufgeschobene Eingriffe vornehmen. Maskenpflicht besteht in der Schweiz nicht, aber die Läden müssen verschärfte Hygieneauflagen einhalten und für Abstand zwischen den Kunden sorgen. Schulen und weitere Geschäfte sollen in zwei Wochen wieder öffnen. Wenn die Zahl der Infektionen nicht deutlich steigt, sollen ab 8. Juni auch Berufs- und Hochschulen sowie Museen, Bibliotheken und Zoos wieder öffnen.

Frankreich: Premier präsentiert Lockerungen am Dienstag

Die Regierung in Paris will dem Parlament am Dienstag einen Plan für die Lockerung der Ausgangsbeschränkungen vorlegen. Premierminister Édouard Philippe kündigte auf Twitter an, der Plan, den er vorlegen werde, beinhalte sechs Punkte: „Gesundheit (Masken, Tests, Isolation …), Schule, Arbeit, Geschäfte, Transport und Versammlungen.“ Die Abgeordneten sollen anschließend beraten und abstimmen.

Präsident Emmanuel Macron hatte bereits angekündigt, dass die seit dem 17. März geltenden Beschränkungen vom 11. Mai an gelockert werden sollen. Bisher ist bekannt, dass Schulen und Kitas etappenweise öffnen, Restaurants bis Ende Mai geschlossen und größere Versammlungen mindestens bis Mitte Juli verboten bleiben sollen. In Frankreich wurden bisher 124 575 Ansteckungen mit dem Coronavirus vermeldet. 22 856 Menschen starben (beides Stand Sonntag) bisher nach einer Ansteckung mit dem Virus.

Spanien: Endlich wieder Kinderlachen auf der Straße

In dem vom Virus stark getroffenen Land war am Sonntag endlich wieder Kinderlachen und fröhliches Gekreische auf den Straßen zu hören. Nach sechs Wochen kompletter Ausgehsperre durften Kinder bis 14 Jahre erstmals wieder das Haus verlassen – und das sind landesweit etwa 5,8 Millionen. Es gelten aber strenge Auflagen: Nur ein Elternteil darf maximal drei Kinder begleiten, zudem ist die Zeit der täglichen Ausflüge auf eine Stunde zwischen 9 und 21 Uhr in einem Radius von einem Kilometer begrenzt.

Die Zahlen der Gesundheitsbehörden geben weiter Grund zur Hoffnung: Den dritten Tag in Folge wurden mehr Genesene als neu mit Sars-CoV-2 Infizierte registriert. Zudem wurde die niedrigste Zahl von Todesfällen in Zusammenhang mit dem Virus seit dem 20. März verzeichnet: Seit Samstag starben 288 Menschen, insgesamt stieg die Zahl der Toten damit auf mehr als 23 000. Wenn die Zahlen stabil bleiben, können die Spanier voraussichtlich ab dem 2. Mai auch wieder zusammen mit Menschen aus demselben Haushalt spazieren gehen, zudem soll das Joggen erlaubt werden, wie die Regierung ankündigte. Am Dienstag will das Kabinett einen Plan verabschieden.

Großbritannien: Rückkehr des Premiers mit Spannung erwartet

In Großbritannien wird am Montag mit Spannung erwartet, wie sich Premierminister Boris Johnson nach überstandener Covid-19-Erkrankung präsentiert. Der 55-Jährige Tory-Politiker hatte sich in den vergangenen zwei Wochen auf dem Landsitz Chequers erholt. Zuvor musste er nach der Infektion eine Woche im Krankenhaus verbringen, drei Tage sogar auf der Intensivstation. Erst am Sonntagabend war er wieder in den Regierungssitz Downing Street zurückgekehrt, am Montag leitet er eine Sitzung des Corona-Kabinettsausschusses. Seine Regierung steht wegen der hohen Zahl an Todesfällen durch das Coronavirus unter Druck. Am Samstag überstieg die Gesamtzahl der im Krankenhaus gestorbenen Infizierten die Marke von 20 000. Trotzdem werden die Rufe nach einer Lockerung der Kontaktbeschränkungen wegen der Schäden für die Wirtschaft immer lauter.

USA: Lockerungen, aber insgesamt ernüchternde Aussichten

Nach ersten umstrittenen Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen im US-Bundesstaat Georgia ziehen diese Woche weitere Staaten nach. In Tennessee sollen am Montag Restaurants unter bestimmten Bedingungen für Gäste öffnen, am Mittwoch soll es Bewegung im Einzelhandel geben.

Zudem soll am Donnerstag in Texas die Anordnung, dass Bürger weitgehend zu Hause bleiben müssen, auslaufen, wie US-Medien berichteten. Die Beraterin von US-Präsident Donald Trump, die Ärztin Deborah Birx, machte allerdings deutlich, dass noch lange nicht an Normalität zu denken sei. Präsident Donald Trump verzichtete am Wochenende auf seine Corona-Pressekonferenzen. Vergangene Woche hatte er mit Äußerungen zu möglichen Desinfektionsmittel-Injektionen gegen das Virus für Irritationen und Kritik gesorgt.

In einigen Teilen des besonders heftig von der Pandemie betroffenen US-Bundesstaates New York könnten erste Unternehmen ab Mitte Mai wieder öffnen, sagte Gouverneur Andrew Cuomo. Bis dahin müsse sich die Lage aber weiter bessern. Besonders schwierig wird die Öffnung in der dicht besiedelten Millionenmetropole New York City werden. Dort hatte sich das neuartige Coronavirus deutlich schneller als in anderen Städten der USA verbreitet.

1. dpa; 27.04.2020.
Titelbild: © Getty Images/Yakobchuk

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