20. Januar 2021

Weniger Corona-Patienten: Etwas Optimismus bei Intensivmedizinern

Die Zahl der Covid-Intensivpatienten ist derzeit leicht rückläufig. Intensivmediziner stimmt dies vorsichtig optimistisch – Illusionen sollte man sich dennoch nicht hingeben.1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Kein großer Anstieg über Feiertage – Auslastung regional unterschiedlich

Mediziner sehen mit Blick auf die Zahl der Covid-Intensivpatienten einen leicht rückläufigen Trend. «Wir sind vorsichtig optimistisch“, sagte ein Sprecher der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) am Mittwoch. Es habe keinen großen Anstieg der Patientenzahlen als Folge von Weihnachten und Silvester gegeben. Es bleibe zu hoffen, dass die Kurve weiter sinke. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass es beim Lockdown bleibe und Mutationen des neuen Coronavirus die Infektionslage nicht grundlegend verändern.

Regional kann die Auslastung der Intensivstationen mit Covid-Patienten unterschiedlich ausfallen. Bundesweit hatte sie mit rund 5700 Menschen am 3. Januar einen Höchststand in der Pandemie erreicht. Seitdem gehen die Zahlen zurück. Am Mittwoch lagen sie laut Divi-Zeitreihe bei rund 4800.

Marx: Peak überschritten – keine Rede von Entspannung

Es werde mindestens bis Ende Februar oder Anfang März dauern, um die Patientenzahl auf knapp unter 3000 zu drücken, sagte Divi-Präsident Gernot Marx am Mittwoch der «Mitteldeutschen Zeitung“. Das zeigten die Prognosemodelle sehr deutlich. „Mitte Februar wird aus unserer Sicht nicht ausreichen, um von den hohen Inzidenzzahlen herunter zu kommen“, ergänzte er. „Da sollten wir uns keine Illusion machen. Wir werden nicht Mitte Februar wieder die Innenstädte öffnen oder im Restaurant sitzen.“

Von der Zahl der heutigen Covid-Intensivpatienten müsse Deutschland deutlich runter. Es gehe auch darum, wieder aufnahmebereit zu sein, falls die Virus-Mutation sich in Deutschland trotz aller Maßnahmen verbreite und zu mehr Infektionen und damit auch mehr Intensivpatienten führe. „Der Peak ist zwar vorerst überschritten, aber wir sind noch weit weg von einer Situation, in der man von einer Entspannung sprechen kann“, betonte Marx.

Montgomery rechnet mit Verlängerung der Maßnahmen über Mitte Februar hinaus

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, rechnet ebenso mit einer weiteren Verlängerung der Maßnahmen gegen das Coronavirus über Mitte Februar hinaus. Man müsse die Menschen daran gewöhnen, dass das jetzt eine Lebensform für den Rest dieses Winter sei, mit der man leben müsse. „Andernfalls schlägt dieses Virus mit großer Macht zurück“, sagte er am Mittwochmorgen im Radioprogramm SWR Aktuell.

Öffnungsstrategie soll erarbeitet werden

Am Dienstagabend hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 14. Februar vereinbart. Treffen sind weiterhin nur noch mit einer weiteren Person außerhalb des eigenen Haushalts erlaubt. Schulen und Kitas sollen grundsätzlich geschlossen bleiben beziehungsweise die Präsenzpflicht aussetzen. Bis Mitte Februar wollen Bund und Länder ein Konzept für eine „sichere und gerechte Öffnungsstrategie“ erarbeiten.

NRW: Impfstopp wegen vorübergehendem Lieferengpass

Nordrhein-Westfalen verschiebt unterdessen den Start der Impfungen für Über-80-Jährige, die zu Hause leben. Die 53 Impfzentren im Land nehmen ihren Betrieb nun eine Woche später, also am 8. Februar, auf, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Zudem wurde ein Impfstopp in Krankenhäusern verhängt. Hintergrund sind vorübergehend geringere Impfstoff-Lieferungen der Hersteller Biontech und Pfizer an alle Länder in der kommenden Woche wegen Umbauten in einem Abfüllwerk.

Auch andere Länder verschieben deswegen teils Terminplanungen. Spahn sagte, es könne im Prozess immer etwas passieren. Er äußerte sich aber erneut verärgert über eine kurzfristige Information der Firmen. Er sei den Ländern dankbar, die mit Hochdruck daran arbeiteten, Folgen für die Bürger in den nächsten zwei bis drei Wochen so gering wie möglich zu halten. Ab Anfang Februar soll die Zahl der Dosen wieder über Plan liegen, wie das Ministerium erläuterte. Hintergrund ist, dass jetzt sechs statt fünf Dosen je Ampulle möglich sind.

1. dpa; 20.01.2021.
Titelbild: © Getty Images/PatrikSlezak

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