03. April 2020

Herzinfarkt-Patienten scheuen Notruf 112 und lebensrettende Versorgung in der Klinik

Notfallmediziner warnen: Bei Verdacht auf Herzinfarkt oder andere Herznotfälle nicht zögern, sondern sofort den Notruf 112 absetzen. Kliniken sind trotz Corona-Pandemie für Herz- und andere Notfälle gerüstet.1

Lesedauer: 2 Minuten

Jedes Jahr sterben pro Jahr bundesweit fast 345.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, davon rund 47.000 Menschen allein am Herzinfarkt. Unter den Herzinfarkt-Sterbefällen sind auch Menschen im mittleren Alter, was jüngst im Profifußball der tragische Tod eines 48-jährigen Spielerberaters zeigt. Etwa 30 Prozent der Herzinfarktpatienten versterben außerhalb der Klinik, auch weil sie zu spät oder gar nicht den Notarzt (112) alarmieren. „Bei Herzinfarkt-Verdacht zögern immer noch viele Betroffene davor, den lebensrettenden Notruf 112 abzusetzen, häufig aus Scheu vor dem Rettungswagen vor der eigenen Haustür oder weil die Symptome nicht richtig zugeordnet werden“, berichtet der Kardiologe Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

„Herzinfarkt, aber auch andere Herznotfälle wie eine akut dekompensierte Herzinsuffizienz oder lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen sind keine aufschiebbaren Krankheitsfälle, sondern unterliegen selbstverständlich weiterhin der Notfallversorgung“, bestätigt Voigtländer. „Eine Notfallversorgung für diese Patienten ist weiterhin gewährleistet.“ Infos zur Ersten Hilfe bei Herzinfarkt und Herzstillstand unter www.herzstiftung.de/herznotfall-verhalten.html.

Corona-Pandemie: Macht sie Notfallpatienten für die 112 zögerlicher?

Zu langes Warten bei Herzinfarkt-Verdacht ist besonders gravierend bei Frauen und Männern, die älter als 65 Jahre sind. Bei Ihnen dauert es im Schnitt über vier beziehungsweise drei Stunden, bis sie nach dem Auftreten der ersten Herzinfarkt-Symptome in die Notaufnahme gelangen (MEDEA-Studie*). „Dieses fatale Verzögerungsverhalten bei Notfallpatienten dürfte sich angesichts der Corona-Pandemie noch deutlich verstärken“, warnt der Ärztliche Direktor des Agaplesion Bethanien-Krankenhauses und Kardiologe am Cardioangiologischen Centrum Bethanien (CCB) Frankfurt am Main.“ Schließlich gelten mit der Pandemie verbundene Einschränkungen wie eine soziale Distanz besonders für den Schutz der Risikogruppe der über 60-Jährigen mit Vorerkrankungen wie chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Art Rückzugsgebot dürfte bei diesen Menschen die Hemmschwelle für den Notruf 112 oder den Schritt in die Klinik um ein Weiteres erhöhen.“

Die Deutsche Herzstiftung appelliert deshalb an Herzpatienten und Menschen mit Vorbelastung für Herzinfarkt und andere Herzkrankheiten, bei Verdacht auf Herzinfarkt sofort den Notruf 112 abzusetzen. „Der Notarzt ist hier so wichtig, weil der Herzinfarkt jederzeit in Herzkammerflimmern übergehen und der Patient in wenigen Minuten am plötzlichen Herztod versterben kann. Ebenso kann durch den Infarkt ein größerer Teil des Herzmuskels irreparabel zerstört werden und der Patient entwickelt dadurch akut oder auch langfristig eine Herzschwäche“, betont Voigtländer. „Beim Herzinfarkt zählt deshalb jede Minute nach dem Prinzip: Zeit ist Herzmuskel.“

  1. Corona-Pandemie und Herznotfälle: Bei Herzinfarkt-Verdacht keine Scheu vor dem Notruf 112; Deutsche Herzstiftung, 03.04.2020.

Bildquelle: © gettyImages/JazzIRT

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