21. Dezember 2020

Das Corona-Jahr 2020: ein Blick zurück

Vom ersten Corona-Fall in China bis zur Impfstoffhoffnung ein Jahr später: Ein Rückblick auf die Schlüsselereignisse während der Ausbreitung von SARS-CoV-2 und des Kampfes gegen Covid-19. 1

Lesedauer: 7 Minuten

  • Anfang des Monats wird ein neuartiges Coronavirus identifiziert. Vier Tage später meldet China den ersten Toten in Wuhan aufgrund einer Infektion mit dem neuartigen Virus – die Erkrankung wird künftig Covid-19 genannt. Ende Januar wird die 11-Millionen-Stadt unter Quarantäne gestellt, und von der Außenwelt abgeschnitten. Länder beginnen ihre Bürger aus China zurückzuführen. Am 27. Januar wird die erste SARS-CoV-2-Infektion in Deutschland bestätigt. Zwei Wochen später ist der Mann aus dem bayrischen Landkreis Starnberg wieder gesund. 1,2

  • Am 15. Februar meldet Frankreich den ersten Toten in Folge einer Covid-19-Erkrankung außerhalb von Asien – ein chinesisch-stämmiger Tourist. Mit Desinfektionsmittel versuchen die Menschen, das Virus in Schach zu halten, dennoch vermelden die deutschen Bundesländer Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen bereits Ende Februar erste Covid-19-Fälle. Weitere Bundesländer folgen – am 10. März hat Sachsen-Anhalt als letztes Bundesland seinen ersten Covid-19-Fall. Kurz darauf ist der Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfallen der erste Corona-Brennpunkt in Deutschland: Bei einer Karnevalssitzung hatten sich Teilnehmer infiziert. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die Versorgungskapazitäten in Deutschlands Kliniken bei steigender Zahl schwer erkrankter Covid-19-Fälle knapp werden könnte. 1,2,4

  • Laut der internationalen Nachrichtenagentur Agence France-Presse sind am 02. April mehr als 3,9 Milliarden Menschen – also die Hälfte der Weltbevölkerung – angehalten oder gezwungen zu Hause zu bleiben. Im Vorteil ist nun, wer einen eigenen Garten besitzt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Anzahl von weltweit mehr als eine Million Covid-19-Fällen überschritten. Einige Labore in Deutschland arbeiten rund um die Uhr, damit so viele Menschen wie möglich auf das Virus getestet werden können. Mehr und mehr wird klar, dass SARS-CoV-2 nicht nur die Lunge angreift. 3

    Dennoch vermelden Forscher Anfang April bereits erste Erfolge im Kampf gegen die Pandemie durch den Lockdown und halten Lockerungen nach den Osterferien für denkbar. Mitte April verständigen sich Kanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs auf eine schrittweise Aufnahme des Schulbetriebs ab Mai. Auch Geschäfte unter 800 Quadratmeter Ladenfläche dürfen am 20. April wieder öffnen. Als erstes Bundesland führt Sachsen die Maskenpflicht für den öffentlichen Personennahverkehr und Einzelhandel ein – andere ziehen nach.
    Trotz der Lockerungen bleibt ein Problem für viele Arztpraxen: Patientinnen und Patienten sind aus Angst vor Ansteckung zurückhaltend mit der Inanspruchnahme medizinischer Hilfe. Den Kliniken und Ärzten bleiben dadurch die Einnahmen weg. 1,3

    Am 22. April genehmigt das Paul-Ehrlich-Institut dem Mainzer Unternehmen BioNTech einen Test des möglichen Impfstoffs erstmals in einer klinischen Studie an Freiwilligen. Für Firmen, Arbeitnehmer und Gastronomie gibt es milliardenschwere Hilfen. 1,4

    Außerdem: Der Britische Premierminister Boris Johnson infiziert sich mit SARS-CoV-2 und muss auf der Intensivstation behandelt werden. US-Präsident Donald Trump stoppt die Zahlungen an die WHO, da sie unter dem Einfluss Chinas stehe. Ende Mai kündigt Trump den Austritt an. Die USA sind der größte Geldgeber der WHO. 1,2,4

  • Vor allem im Sommer bringen die Leute ihre Erleichterung zum Ausdruck: An der frischen Luft ist das Infektionsrisiko niedriger als in Räumen. Dennoch zählt Lateinamerika bis zum 07. Juni mehr als 400.000 Todesopfer. Brasilien wird das Land mit der zweitgrößten Zahl an Todesopfern nach den Vereinigten Staaten. Weltweit registriert die amerikanische Universität Johns Hopkins mehr als zehn Millionen Infektionen. Die Zahl der Toten übersteigt die Marke von 500.000. 1-4

    In Deutschland geht Mitte Juni im Kampf gegen das Virus eine staatliche Warn-App an den Start. Sie soll dabei helfen, Infektionen nachzuverfolgen. Zeitgleich meldet das RKI einen Anstieg der registrierten Infektionen in Deutschland auf über 200.000. 1,4

  • Obwohl das SARS-CoV-2 weiterhin kursiert, fahren viele Deutsche in den Urlaub. Da eine Auslandsreise durch die sich immer wieder ändernden Deklarierungen von Risikogebieten riskant ist, verlegen viele Urlauberinnen und Urlauber ihre Reisen ins Inland. 1,3

    Am 03. Juli ist es soweit: Das erste Corona-Arzneimittel bekommt eine europäische Zulassung – ein Allheilmittel wird in dem Wirkstoff Remdesevir jedoch nicht gesehen. Auch BioNTech und Pfizer treiben ihre Covid-19-Impfstudien voran und impfen 30.000 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer in einer Phase-II/III-Studie zu dem Wirkstoff BNT162b2.

    Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro spricht Covid-19-bezogen weiterhin von einer „leichten Erkältung“, bis er sich selbst mit SARS-CoV-2 infiziert. Ihm folgt einige Wochen später der Covid-19-Skeptiker Donald Trump. Hier spitzt sich die Lage zu: In den USA werden erstmals mehr als 50.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages registriert. 2

  • „Ich kann Corona nicht mehr hören“ – Mit der Zeit setzt bei manchen Überdruss ein. Ab Anfang August müssen sich Einreisende aus internationalen Risikogebieten bei der Rückkehr nach Deutschland testen lassen. Zudem zeigt sich die gespaltene Haltung der deutschen Bevölkerung zu den Corona-Maßnahmen: Obwohl die Infektionszahlen laut RKI bundesweit wieder ansteigen, protestieren am 29. August etwa 40.000 Menschen in Berlin gegen die Corona-Maßnahmen, einige Demonstranten durchbrechen sogar die Absperrung vor dem Reichstag und stürmen die Treppe. 1,3

    Außerdem wird in diesem Monat in Russland der erste Covid-19-Impfstoff staatlich zugelassen. Die Johns Hopkins Universität zählt nun weltweit mehr als 20 Millionen Covid-19-Fälle. Unklar bleibt bis zu diesem Zeitpunkt, ob sich Menschen mehrfach mit SARS-CoV-2 infizieren können.

  • Wir riskieren gerade alles, was wir in den letzten Monaten erreicht haben.So spricht Angela Merkel im Bundestag angesichts wieder steigender Infektionszahlen und fordert zum Durchhalten auf. Erstmals spricht sie von erschreckenden Hochrechnungen zu Infektionszahlen an Weihnachten. Denn mit einem Impfstoff für die breite Masse rechnet die Bundesregierung erst Mitte 2021. Ein solcher Impfstoff würde unter anderem niedergelassene Ärztinnen und Ärzte entlasten, die zur Zeit etwa 25 Wochenstunden aufwenden, um pandemiebezogene Aufgaben zu bewältigen.

    Seit Beginn der Corona-Pandemie gab es weltweit mehr als eine Million Tote, über 205.000 davon in den USA, meldet die amerikanische Johns Hopkins Universität. Auf die USA folgen Brasilien (142.000), Indien (95.000) und Mexiko (76.000). 4

  • „Wie sind die aktuellen Zahlen?“ – Das tägliche Checken von Daten des RKIs oder der Johns Hopkins Universität gehört mittlerweile für viele zum Alltag. Weltweit wurden bisher mehr als 40 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, erklärt die WHO. Auf den ersten Plätzen liegen weiterhin die USA, Indien und Brasilien. In den USA entwickelt sich die Pandemie zu einem der zentralen Themen im Wahlkampf zum US-Präsidenten. 1-4

    Mitte Oktober fordert Merkel angesichts beunruhigend hoher Infektionszahlen, soziale Kontakte zu beschränken und weniger zu reisen. Dennoch steigt die Zahl an Neuinfektionen bis zum 22. Oktober auf über 10.000 binnen eines Tages. Das RKI macht vor allem private Treffen dafür verantwortlich. Intensivmediziner warnen vor einer Überbelastung von Kliniken angesichts der steigenden Zahlen schwerer Covid-19-Fälle. Abermals müssen planbare Eingriffe verschoben werden, beispielsweise von Herz- und Tumorkranken. In der Hoffnung, die zweite Infektionswelle zu brechen, beginnt in Deutschland der neue Teil-Lockdown am 2. November. 1

  • Anfang November überschreitet Deutschland erstmals die 20.000-er Marke an registrierten Neuinfektionen innerhalb eines Tages. Die neue Hoffnung: Als erste westliche Hersteller veröffentlichen BioNTech und der US-Pharmakonzern Pfizer am 09. November vielversprechende Ergebnisse einer für die Zulassung ihres Corona-Impfstoffs entscheidenden Studie: Der Impfstoff biete 90-prozentigen Schutz, später erhöhen sie auf 95 %. Eine Woche darauf folgt eine ähnliche Ankündigung des US-Konzerns Moderna, gefolgt von einer Meldung von AstraZeneca und der Oxford University. Die Behörden hoffen bis Ende des Jahres mit Impfkampagnen in den USA und Europa starten zu können. 1,2,4

    Unter dem Protest Tausender machen Mitte November Bundestag und Bundesrat den Weg für Änderungen im Infektionsschutzgesetz frei. BioNTech und Pfizer beantragen bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eine Notfallzulassung für ihren Impfstoff. 1

    Ende November werden in Deutschland die strengen Beschränkungen für persönliche Kontakte für weitere Wochen verschärft und nur über Weihnachten leicht gelockert. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen in Deutschland hat mittlerweile nach RKI-Daten die eine Million-Marke überschritten. Am 30. November beantragt der US-Pharmakonzern Moderna als erstes Unternehmen die Zulassung für einen Corona-Impfstoff in der EU. BioNTech und Pfizer folgen. Mit den Erfolgsmeldungen zu Covid-19-Impfstoffen kommt die Frage auf, wer bevorzugt geimpft werden soll. Die vorläufige Antwort liefert der Deutsche Ethikrat der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina: Alte, Kranke und zentrale Mitarbeiter. 1

    Außerdem: Erwartbar wurde der Begriff „Corona-Pandemie“ Ende November zum Wort des Jahres gekürt. In der Liste der Wörter des Jahres der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden befanden sich auch Ausdrücke wie Lockdown, Verschwörungserzählung, systemrelevant, Triage, Geisterspiele und „Bleiben Sie gesund!“ sowie AHA (Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmasken tragen). 3

  • Am 2. Dezember erfolgt die weltweit erste Notfallzulassung für den Impfstoff BNT162b2 von BioNTech und Pfizer durch die britische Aufsichtsbehörde für Arzneimittel. Kurz darauf folgt die Zulassung für die USA. Am 08. Dezember impft Großbritannien als erstes europäisches Land gegen das Coronavirus. Gleichzeitig veröffentlichen BioNTech und Pfizer erste Ergebnisse ihrer Phase-III-Studie zu BNT162b2. Am 21. Dezember wird dem Impfstoff dann von der EU-Kommission eine bedingte Zulassung erteilt. Zusammenfassend bezeichnet der Science-Chefredakteur die rasante Entwicklung effektiver Impfstoffe als Forschungsdurchbruch. 4

    Hinsichtlich einer Priorisierung der Impfstoffverabreichung wird weiterhin diskutiert: So legt die Ständige Impfkommission STIKO genaue Vorschläge vor, in denen das Gesundheitspersonal unterschiedlich priorisiert werden soll. Später folgt ein Whitepaper der AOK Bayern zur zusätzlichen Anwendung von Scores, über den schwere Covid-19-Fälle verhindert werden könnten.

    Mitte Dezember verlängern Bund und Länder den Teil-Lockdown: Restaurants, Museen, Theater und andere Freizeiteinrichtungen bleiben bis zum 10. Januar geschlossen. 1

  1. dpa, 04.12.2020
  2. MedicalXpress: : „COVID-19: Twelve key milestones in a year like no other“ (26.11.2020)
  3. dpa, 14.12.2020
  4. dpa, 15.12.2020

Bildquelle: © Getty Images / DKosig

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