18. März 2021

Colchicin: Kein Nutzen bei hospitalisierten Covid-19-Patienten

Schon wieder hat sich ein möglicher Hoffnungsträger bei schweren Covid-19-Verläufen in kontrollierten Studien als weitgehend unwirksam erwiesen: In der britischen RECOVERY-Studie konnte das Gichtmittel Colchicin die Überlebenschancen von hospitalisierten Covid-19-Patienten nicht verbessern.1

Lesedauer: 1 Minute

Im Rahmen der britischen RECOVERY-Studie testen Wissenschaftler seit einem Jahr die Wirksamkeit verschiedener Medikamente bei schweren Covid-19-Verläufen bei hospitalisierten Patienten. Nachdem sich in kleineren Studien für Colchicin ein positiver Effekt abgezeichnet hat, wurden über 11.000 Patienten auf einen Colchicin-Arm randomisiert.

Die Zwischenanalyse bei 2.178 gemeldeten Todesfällen führte jetzt zu einem vorzeitigen Abbruch des Colchicin-Armes. Die 28-Tages-Mortalität lag unter Colchicin bei 20 % und in der Kontrollgruppe bei 19 %, sodass ein möglicher Nutzen weitgehend ausgeschlossen werden konnte.  

Martin Landray, Mediziner und Epidemiologe der Universität Oxford, der an der Studie mitgewirkt hat, kommentiert in einer Stellungnahme: „Die RECOVERY-Studie hat bereits zwei entzündungshemmende Medikamente – Dexamethason und Tocilizumab – identifiziert, die die Überlebenschancen von Patienten mit schwerem Covid-19 verbessern. Daher ist es enttäuschend, dass Colchicin, das häufig zur Behandlung von Gicht und anderen entzündlichen Erkrankungen eingesetzt wird, bei diesen Patienten keine Wirkung zeigt. Wir führen große randomisierte Studien durch, um festzustellen, ob ein Medikament, das in der Theorie vielversprechend erscheint, in der Praxis einen echten Nutzen für die Patienten hat. Leider gehört Colchizin nicht dazu.”

Colchicin ist nicht das einzige Medikament mit diesem Schicksal. Auch für Hydroxychloroquin, Lopinavir-Ritonavir, Azithromycin und die Serumtherapie waren die Ergebnisse in der Studie negativ.

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