04. April 2021

Neue Corona-Varianten in Brasilien und Südafrika

Sowohl in Brasilien als auch in Südafrika wurden neue Corona-Mutanten identifiziert. Entdeckt wurden die Varianten in der Nähe von São Paolo und bei Reisenden aus Tansania. 1,2

Lesedauer: 3,5 Minuten

Brasilien: 3869 Todesfälle in 24 Stunden und neue Corona-Variante

Inmitten einer Regierungskrise und einer außer Kontrolle geratenen Corona-Pandemie hat Brasilien wieder einen Tageshöchstwert bei den Corona-Toten registriert und nähert sich der Marke von 4000 Toten innerhalb von 24 Stunden. 3869 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 in diesem 24 Stunden-Zeitraum meldete das Gesundheitsministerium in Brasília am Mittwochabend (Ortszeit).

Am Dienstag erst hatte Brasilien 3780 Corona-Tote an einem Tag erfasst. „Wenn die Situation nicht kontrolliert wird – sich die Leute am Riemen reißen und die Regierung mehr impft -, dann können wir 5000 erreichen”, sagte die Biochemikerin Fabiana Carneiro von der Bundesuniversität Rio de Janeiro in Duque de Caxias der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf die Nachlässigkeit vieler Brasilianer.

Insgesamt sind in Brasilien 321 515 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben, mehr als 12,7 Millionen Menschen haben sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Nur in den USA sind die Zahlen höher. Brasilien hat 210 Millionen Einwohner und ist 24 Mal so groß wie Deutschland.

Neue Virusvariante ähnlich der Südafrikanischen

Das Gesundheitssystem ist vielerorts zusammengebrochen oder am Zusammenbruch. In 19 Hauptstädten von Bundesstaaten sind nach einer Erhebung der Zeitung „Folha de S. Paulo” mehr als 90 % der Intensivbetten für Covid-19-Patienten belegt. Medikamente, vor allem zur Intubation, drohten zur Neige zu gehen. Wissenschaftler der Forschungseinrichtung „Instituto Butantan” identifizierten in der Stadt Sorocaba in der Nähe von São Paulo eine neue Variante des Coronavirus, die der südafrikanischen ähnlich sein soll.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat das Coronavirus von Anfang an verharmlost. Zuletzt milderte der Rechtspopulist seinen Ton – auch mit Blick auf Impfungen – allerdings etwas ab. Angesichts zunehmender Kritik wegen fehlenden Krisenmanagements in der Corona-Pandemie tauschte Brasiliens Staatschef sechs Minister aus, die Spitzen von Armee, Luftwaffe und Marine wurden neu besetzt. 1

Neue Corona-Variante auch in Afrika entdeckt

In Afrika ist laut der panafrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC eine neue Corona-Variante registriert worden. Sie sei bei Reisenden aus Tansania in Angola entdeckt worden, teilte der Leiter der Africa CDC, John Nkengasong, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mit. Die neue Variante weise bis zu 40 Mutationen auf. „Das ist sicherlich eine Variante, die Anlass zur Sorge gibt”, sagte er.

Das ostafrikanische Tansania hat seit Mitte vergangenen Jahres keine Daten über Covid herausgegeben. Auch aktuell gebe es keine Informationen zur genauen Anzahl der Fälle dort, erklärt die CDC. Der vor kurzem verstorbene tansanische Präsident John Magufuli hatte vergleichsweise lockere Corona-Einschränkungen spät eingeführt.

„Wir wissen leider nicht, wie diese Variante auf Impfstoffe reagiert”, erklärte Nkengasong. Es gebe nun ein Überwachungssystem in Tansanias Nachbarländern, während die Mutante in Südafrika untersucht werde. Auf dem Kontinent wurden in 18 Ländern laut CDC mittlerweile die hoch ansteckende, zuerst in Großbritannien entdeckte Variante B.1.1.7 nachgewiesen, in 18 weiteren die „südafrikanische” Variante B.1.3.5.1. Seit Beginn der Pandemie gab es insgesamt mehr als 40 Millionen Tests in Afrika. „Der Kontinent bewegt sich langsam in Richtung auf eine dritte Welle zu, was zu erwarten stand”, sagte Nkengasong. Während vor allem das westliche und südliche Afrika noch rückläufige Zahlen bei den Neuinfektionen registriere, stiegen sie nun vor allem in Zentral-, Ost- und Nordafrika an.

Impfstoff wird künftig auch in Afrika produziert

Nkengasong begrüßte, dass Afrika seine Impfstoffe künftig auch selbst produziere. Grundlage dafür ist ein Abkommen der Afrikanischen Union mit dem US-Pharmakonzern Johnson & Johnson für insgesamt 400 Millionen Dosen. Ein Großteil davon soll in Südafrika produziert werden. Das Abkommen sieht zunächst die Anschaffung von 220 Millionen Dosen mit der Option auf 180 Millionen weitere vor.

Der CDC-Direktor warnte jedoch vor Beeinträchtigungen durch Lieferbeschränkungen aus Indien, die auch die UN-Initiative Covax für eine schnelle Impfstoffbelieferung ärmerer Länder ausbremse. „Jegliche Verzögerung wird Afrika daran hindern, seine Ziele schnell zu erreichen”, sagte er. Covax werde sich aber nach anderen Beschaffungsquellen umschauen. Bisher haben die afrikanischen Staaten knapp 30 Millionen Dosen Impfstoff beschafft, von denen etwa ein Drittel verimpft wurde. 28 Staaten hätten sie über die Covax-Initiative erhalten, 20 Staaten auch über bilaterale Abkommen.

Seit Beginn der Pandemie wurden der Africa CDC zufolge rund 4,2 Millionen Corona-Infektionen auf dem afrikanischen Kontinent verzeichnet, das entspricht 3,3 % der weltweit entdeckten Ansteckungen. Rund 89 % von ihnen sind wieder genesen. Von den registrierten Todesfällen stellt der gesamte Kontinent mit 112 000 Fällen global betrachtet gerade mal 4 %. Die meisten Fälle hat Südafrika mit mehr als 1,5 Millionen Infektionen – 37 % aller in Afrika registrierten Infektionen. Dahinter folgen Marokko (12 %), Tunesien (6), Ägypten (5) und Äthiopien (5). Nach Expertenansicht gibt es auf dem Kontinent mit 1,3 Milliarden Menschen aber eine hohe Dunkelziffer. 2

  1. dpa, 01.04.2021, 04:55 Uhr
  2. dpa; 01.04.2021, 14:50 Uhr

Bildquelle: © gettyImages/nattrass

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