15. Oktober 2019

Statt Manschette: Blutdruck einfach mit dem Smartphone messen

Statt der lästigen Blutdruckmessung mit Manschette einfach auf’s Smartphone schauen? Mit einem neuen Smartphone basierten Bildgebungsverfahren namens Transdermal Optical Imaging scheint das möglich. Eine kurze Videoaufnahme des Gesichts erkennt Veränderungen des Blutflusses und errechnet daraus den Blutdruck.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Blutdruckmessgeräte auf Manschettenbasis sind zwar sehr genau, aber unpraktisch und unbequem. Forscher von der Universität Toronto haben daher ein Verfahren entwickelt, dass deutlich schneller ist und nur ein Smartphone benötigt, dass die meisten Menschen ohnehin immer zu Hand haben. Auf dem  kurzen Video des Gesichts erkennt die bildgebende Software Veränderungen des Blutflusses. Das Eindringen des Umgebungslichts in die äußere Hautschicht, ermöglicht es den digitalen optischen Sensoren im Smartphone, Blutflussmuster zu erkennen und zu extrahieren. Die Software kann diese dann in Blutdruckwerte umwandeln.

Messgenauigkeit entspricht den Standards zur Blutdruckmessung

Geprüft wurde die neue Technik bei mehr als 1.300 Erwachsenen, die mit ihrem mit der entsprechenden Bildgebungssoftware ausgerüsteten iPhone ein zweiminütiges Video ihres Gesichts aufnahmen. Die damit erzielten Messergebnisse von systolischem und diastolischem Blutdruck sowie Puls wurden mit den Werten der klassischen Manschetten-Messgeräte verglichen. Nach den Ergebnissen wurde im Schnitt der systolische Blutdruck mit einer Genauigkeit von fast 95 %, der diastolischen Blutdruck und der Puls mit einer Genauigkeit von fast 96 % vorhergesagt. Das entspricht nach Aussage der Forscher den internationalen Standards für Geräte zur Blutdruckmessung.

Funktioniert die App auch zu Hause beim Patienten?

Einige Fragen sind aber noch offen: Da die Gesichter der Teilnehmer in einer gut kontrollierten Umgebung mit fester Beleuchtung gefilmt wurden, ist noch unklar, ob die Technologie bei den Patienten zu Hause mit wechselnden Lichtverhältnissen genauso gut funktionieren würde. Auch der Einfluss der Hautfarbe müsste noch geklärt werden. Zudem wurden die Messungen bei Normotonikern durchgeführt, sodass die Technologie noch bei sehr hohen oder besonders niedrigen Blutdrücken geprüft werden müsste. Außerdem arbeiten die Forscher daran, die benötigte Dauer der Videos auf 30 Sekunden zu reduzieren, um die Anwendung noch benutzerfreundlicher zu machen.

1. Smartphone-Based Blood Pressure Measurement Using Transdermal Optical Imaging Technology. Luo et al. 06.08.2019.
2. Springer Medizin – Kardiologie, Smartphone statt Manschette: Blutdruck messen durch Gesichtserkennung; 06.08.2019.

Bildquelle: © gettyImages/adrian825 (Symbolbild mit Modell)

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