05. Juni 2019

Benzodiazepine in der Frühschwangerschaft könnten das Fehlgeburtsrisiko erhöhen

Die Einnahme von Benzodiazepinen in der Frühschwangerschaft ist nach den Ergebnissen einer kanadischen Fall-Kontroll-Studie mit einem erhöhten Risiko für Fehlgeburten assoziiert. Es besteht eine Dosis-Wirkungs-Beziehung, was für einen kausalen Zusammenhang spricht.1,2

Lesedauer: 1 Minute

Vor Benzodiazepinen in der Schwangerschaft wurde zwar auch bisher schon gewarnt, da sie die Plazentaschranke passieren und sich im fetalen Kreislauf anreichern können. Trotzdem werden sie zum Teil immer noch in der Schwangerschaft eingesetzt.

Für die jetzige Studie wurden die Daten der Quebec Pregnancy Cohort ausgewertet, die Daten zu allen Schwangerschaften in dem kanadischen Teilstaat auswertet. Danach hatten 375 von 27.149 Frauen (1,4 %), bei denen es zu einer Fehlgeburt kam, vorher mindestens ein Benzodiazepin-Rezept erhalten. Von den 134.305 Frauen mit Lebendgeburten war dagegen nur 788 (0,6 %) in der Frühschwangerschaft ein Benzodiazepin-Rezept verordnet worden. Daraus errechneten die Forscher eine Odds Ratio von 2,39, d.h. Frauen mit Benzodiazepin-Einnahme waren mehr als doppelt so häufig von einem Spontanabort betroffen.

Dabei zeigte sich eine deutliche Dosis-Wirkungs-Beziehung: Bei einer Tagesdosis von weniger als 5 mg Diazepam-Äquivalent betrug die adjustierte Odds Ratio 1,73; bei einer Tagesdosis von 6 bis 20 mg 1,96 und bei einer Tagesdosis von mehr als 20 mg 2,55.

Die Assoziation war sowohl für kurzwirksame (OR 1,81) als auch für lang langwirksame Benzodiazepine nachweisbar (OR 1,73) und ließ sich auch für einzelne Wirkstoffe beobachten. Am deutlichsten war der Zusammenhang für Diazepam (OR 3,43), gefolgt von Temazepam (OR 2,74) und Bromazepam (OR 2,34).

Die Autoren raten aufgrund der Ergebnisse Benzodiazepine in der Schwangerschaft, wenn überhaupt, nur in nach strengster Indikationsstellung und in möglichst geringer Dosierung zu verschreiben.

  1. Odile Sheehy et al; Association Between Incident Exposure to Benzodiazepines in Early Pregnancy and Risk of Spontaneous Abortion; JAMA Psychiatry (2019); doi:10.1001/jamapsychiatry.2019.0963
  2. Deutsches Ärzteblatt: Studie: Benzodiazepine erhöhen Fehlgeburtrisiko

Bildquelle: ©iStock/gpointstudio

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