17. Juli 2020

AU per Videosprechstunde künftig möglich

Ärzte können ihre Patienten künftig auch in einer Videosprechstunde krankschreiben. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss am 16.07.2020 beschlossen. Bislang müssen Patienten immer zur Untersuchung in die Praxis kommen, wenn sie eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung benötigen. 1

Quelle: Kassenärztliche Bundesvereiniung, 16.07.2020

Lesedauer: 1,5 Minuten

Als Voraussetzung hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) festgelegt, dass der Patient der Praxis bekannt sein muss und die Krankheit in einer Videosprechstunde untersucht werden kann. Eine Krankschreibung ausschließlich auf Basis eines Telefonates, einer Chat-Befragung oder eines Online-Fragebogens ist explizit ausgenommen. Auch haben Patienten keinen Anspruch darauf, dass der Arzt ihnen in einer Online-Visite eine AU-Bescheinigung ausstellt.

AU-Bescheinigung per Video für maximal sieben Tage

Eine Krankschreibung per Video kann bei erstmaliger Feststellung für maximal sieben Kalendertage ausgestellt werden. Danach muss der Patient die Praxis aufsuchen, falls er weiterhin krank sein sollte. In der Online-Sprechstunde ist eine Folgeverordnung nur erlaubt, wenn der Patient für die erste Krankschreibung persönlich in der Praxis war. Dann kann auch für einen längeren Zeitraum krankgeschrieben werden.

Der G-BA hat heute die Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie entsprechend angepasst und in seiner Pressemitteilung deutlich gemacht, dass als Standard für die Feststellung von Arbeitsunfähigkeit weiterhin die unmittelbare persönliche Untersuchung durch eine Ärztin oder einen Arzt gelte.

Die Änderungen stehen nicht im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie, sondern gehen zurück auf die berufsrechtliche Lockerung des Verbots der ausschließlichen Fernbehandlung.

KBV stimmte gegen die Änderungen

Die KBV hat gegen den Beschluss des G-BA gestimmt. Sie hat sich dafür ausgesprochen, dass für eine AU-Bescheinigung der erste Kontakt zum Patienten weiterhin in der Praxis erfolgt, um in allen Fällen eine sorgfältige differentialdiagnostische Abklärung zu ermöglichen. Nur bei Folgeverordnung sollten AU-Bescheinigungen auch in Videosprechstunde ausgestellt werden können.

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BMG prüft Beschluss

Das Bundesgesundheitsministerium hat nun zunächst zwei Monate Zeit, den Beschluss zu prüfen. Nach erfolgter Nichtbeanstandung wird er im Bundesanzeiger veröffentlicht und tritt am Folgetag in Kraft.

KBV, 16.07.2020: G-BA ermöglicht Krankschreibung per Video

Bild: © GettyImages/YakobchukOlena

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