17. Januar 2020

Rassistische und sexistische Äußerungen von Patienten machen viele Ärzte sprachlos

„Die Schwarze soll mich nicht behandeln“ oder „hol mal einen richtigen Arzt, Schätzchen“ – mit solchen rassistischen und sexistischen Aussagen sind wahrscheinlich auch in Deutschland schon viele Ärzte konfrontiert worden. In einer US-Studie ist man diesem Phänomen jetzt genauer auf den Grund gegangen.1,2

Lesedauer: 1,5 Minuten

Aufgrund von Pflegenotstand und Ärztemangel wird zunehmend auch medizinisches Personal aus dem Ausland rekrutiert. Diese Kollegen müssen sich aber oft einiges von den Patienten gefallen lassen, wenn sie nicht dem erwarteten Arztbild entsprechen.

Im Rahmen der kalifornischen Studie nahmen 50 Mediziner (elf Krankenhausärzte, 26 niedergelassene Ärzte, 13 Medizinstudenten) an Diskussionsgruppen mit semistrukturierten Interviews teil und schilderten ihre Erfahrungen. Darunter waren 22 Männer, 26 Frauen und zwei Gendervarianten. Etwas mehr als die Hälfte waren Weiße, die restlichen 48 % machten Latinos, Asiaten, Araber und Schwarze aus.

Die Befragten beschrieben eine Vielzahl von Vorfällen, bei denen sie sich mit Patientenvorurteilen konfrontiert sahen. So lehnten z.B. einige Patienten die Behandlung durch einen nicht-weißen Arzt generell ab und es wurden offen rassistische Bemerkungen gemacht. Immer noch werden offensichtlich auch Ärztinnen als „Schwester“ angesprochen, während man Männer mit weißen Kitteln grundsätzlich für Ärzte hält. Auch anzügliche Bemerkungen von Patienten oder Angehörigen (Hinterherpfeifen, Anrede als „Schätzchen“) müssen sich Ärztinnen nicht selten gefallen lassen. 

Die Reaktionen der Betroffenen: Die meist ärgerten sich, waren verletzt oder sogar in ihrer Rolle als Mediziner verunsichert. Die Effekte hielten deutlich über den Moment hinaus an und beeinträchtigten sogar teilweise ihre zukünftige Arbeit oder das Studium. Eine direkte Antwort gaben viele nicht – weil sie es für sinnlos hielten oder einfach nicht wussten, wie sie adäquat reagieren sollten. Auch Vorgesetzte waren hier oft keine Hilfe.  

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