01. November 2018

Bleibenden Zahn statt Milchzahn gezogen: 20.000 Euro Schadensersatz

Wieviel ist ein fälschlicherweise gezogener bleibender Eckzahn bei einem jungen Mädchen wert? Eine verklagte Zahnärztin einigte sich mit den Klägern vor dem Bielefelder Landgericht auf die Zahlung von 13.000 Euro Schmerzensgeld und 7.000 Euro für „zukünftig anfallende Behandlungen“.1 (Lesedauer: 1 Minute)

Das damals 13-jährige Mädchen wurde im Januar 2017 von ihrem Kieferorthopäden zu der Zahnärztin überwiesen, die zu Ermöglichung einer kieferorthopädischen Weiterbehandlung zwei Milchzähne ziehen sollte. Einer davon – ein Eckzahn – war jedoch mittlerweile herausgefallen – an seiner Stelle befand sich bereits der bleibende Zahn.

Zwar stutzte die Kollegin und hakte bei dem Kieferorthopäden telefonisch noch einmal nach, ob wirklich diese beiden Zähne gezogen werden sollen. Der Kollege bejahte die Frage, weil er sich wohl auf ein Röntgenbild von 2014 verließ. Obwohl es naheliegend war, dass sich seither etwas im Kiefer der jungen Patientin getan haben musste, verließ sich die Zahnmedizinerin auf die Aussage des Kollegen und zog – im festen Glauben, es handle sich um einen Milchzahn – den bleibenden Eckzahn.

Die Eltern des Mädchens verklagten daraufhin die Zahnmedizinerin und bekamen Recht. Nach Meinung des Gutachters hätte das nicht passieren dürfen, da sich Milchzähne und bleibende Eckzähne durch Form, Größe und Gesamterscheinung deutlich voneinander unterscheiden. Aufgrund der ja offenbar aufgekommenen Zweifel hätte die Zahnärztin auf jeden Fall ein neues Röntgenbild anfertigen müssen, betonte der Gutachter.

Die Höhe des Schmerzensgeldes wird dadurch gerechtfertigt, dass der Jugendlichen ein deutlicher Schaden entstanden ist. Der Zahn wurde im gut sichtbaren Frontbereich gezogen und das junge Mädchen musste als Zwischenlösung mit einer herausnehmbaren Prothetik im Frontzahnbereich versorgt werden. Dadurch, dass erst in den Folgejahren eine endgültige Implantatversorgung stattfinden kann, könnten durch zwischenzeitlichen Knochenabbau zusätzliche Aufwendungen notwendig erscheinen. Dies rechtfertige die zusätzlichen 7.000 Euro für künftig anfallende Behandlungen.

1. Bleibender Zahn statt Milchzahn extrahiert: 20.000 Euro Schadensersatz. zm online, 26.10.2018.

Titelbild: © iStock.com/deepblue4you

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