22. Oktober 2018

Wenn Kinder plötzlich schlechter sehen

Wenn Kinder plötzlich unscharf oder verzerrt sehen, kann neben körperlichen Ursachen auch ein seelischer Konflikt dahinterstecken. Schätzungsweise ein bis zwei Prozent aller Kinder, die sich in augenärztliche Behandlung begeben, sind von solchen funktionellen Sehstörungen betroffen, Mädchen sehr vielhäufiger alsJungen, teilt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) mit. Doch was ist in solchen Fällen zu tun? 1 (Lesedauer: 1 Minute)

Klagen Kinder über schlechtes Sehvermögen, begeben sich die Eltern meistens sofort zum Augenarzt. Er ist die erste Anlaufstelle, um die Ursache für die Verschlechterung zu klären. Mitunter zeigt sich dann: Es liegt nicht am Auge. Hornhaut, Linse, Sehnerv oder Makula sind in Ordnung. Auch gibt es keine Fehlsichtigkeit, gegen die dann eine Brille helfen würde.

Nur eine funktionelle Störung

In dieser Situation gleich an schwere Erkrankungen wie ein Hirntumor oder Multiple Sklerose als Ursache der Sehstörungen in Betracht zu ziehen, sei aber der falsche Weg, so die Experten. Vielmehr gelte es zunächst aktiv zu beweisen, dasss die Sehfunktion eigentlich intakt ist. Häufig falle mit Hilfe verschiedener Untersuchungsstrategien sehr schnell auf, wenn ein Kind Angaben mache, die so nicht zutreffen können, erläutert Professor Dr. med. Helmut Wilhelm, Neuro-Ophthalmologe der Universtitäts-Augenklinik Tübingen. Dann sei es wichtig herauszufinden, weshalb ein Kind falsche Aussagen mache. “In den seltensten Fällen wird es sich um eine bewusste Täuschung handeln”, betont Wilhelm. Vielmehr leide das Kind unter einem inneren Konflikt , für den es keine Lösung wisse. Es handelt sich also gewissermaßen um einen Hilferuf der Seele. Kommt der Augenarzt zu diesem Schluss, ist zusätzlich ein Kinderarzt oder Kinderpsychiater gefordert.

Konflikte in Familie und Schule

Als Ursachen solcher funktioneller Sehstörungen stehen laut Untersuchungen an erster Stelle interfamiliäre Konflikte (30 Prozent), an zweiter Stelle Schulprobleme (25 Prozent). In einigen Fällen kann auch ein vorangegangenes Schädel-Hirntrauma Auslöser, aber nicht die Ursache sein. Oftmals bleiben die Gründe jedoch ungeklärt. Präzise Daten dazu, wie häufig psychisch bedingte Sehstörungen bei Kindern und Heranwachsenden vorkommen, gibt es nicht. Experten gehen aber davon aus, dass es etwa ein bis zwei Prozent aller Kinder sind, die in die Augenarztpraxis kommen. Mädchen sind dabei deutlich häufiger vertreten als Jungen.

Placebo kann helfen

Grund zur Besorgnis besteht in der Regel nicht, beruhigen die Experten. In etwa 90 Prozent der Fälle würden die Beschwerden wieder verschwinden. Das geschehe entweder relativ rasch von selbst oder man könne eine kurze Placebo-Therapie anwenden – etwa mittels einer schwachen Brille oder wirkstofffreier Augentropfen. Noch eine weitere gute Nachricht haben die Fachleute: Soweit man bisher weiß, ist eine solche funktionelle Sehstörung kein Vorbote für eine spätere psychiatrische Erkrankung.

1. Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), Septemer 2018: Hilferuf der Seele: Wenn Kinder plötzlich schlechter sehen

Bild: © iStock.com/bowdenimages

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