10. Juni 2018

Fußball: Viele Verletzungen sind vermeidbar

Während der Fußball-WM sind Groß und Klein im Fußballfieber – auch auf dem Sportplatz. Experten raten aktiven Spielern, ihre Schienbeinschoner zu tragen und sich gut Aufzuwärmen. Denn nach einer Analyse in der Fachzeitschrift „Sportverletzung Sportschaden“ verletzen sich vor allem Fußballer und Handballer in Wettkämpfen.1,2 Lesedauer: 1 Minute

Viele Verletzungen wie Prellungen und Verschauchungen wären durch bessere Schutzkleidung, veränderte Spielregeln oder entsprechende Aufwärmübungen vermeidbar, so die Autoren der Studie. Privatdozent Dr. Werner Krutsch, Leiter der Sporttraumatologie am Universitätsklinikum Regensburg, hat gemeinsam mit Kollegen analysiert, zu welchen Verletzungen es in den sechs beliebtesten Teamsportarten kommt. Dafür haben die Wissenschaftler die Daten von 89.235 Patienten ausgewertet, die im Verlauf von 15 Jahren am Level-I-Notfalltraumazentrum der Universität Regensburg behandelt wurden.

11.361 Patienten kamen aufgrund einer Sportverletzung in die Klinik. Das sind fast 13 Prozent. 34 Prozent dieser Fälle gingen auf die Ausübung einer Teamsportart zurück. Die meisten der Betroffenen (71,4 Prozent) hatten sich beim Fußball verletzt und mussten zu zwei Dritteln wegen Beinverletzungen behandelt werden. Bei 27,2 Prozent verursachten Verstauchungen, bei 22,4 Prozent Prellungen die Beschwerden. Nicht selten mussten aber auch Knochenbrüche (19,5 Prozent) oder Sehnenrisse (16,9 Prozent) behandelt werden. Ein ähnliches Verletzungsmuster fand Dr. Krutsch bei Handballern. In beiden Sportarten traten die Verletzungen meist im Wettkampf auf.

Auch beim Handball kann es leicht zu Gehirnerschütterungen kommen. Fast jeder 20. Handballer musste deswegen behandelt werden. Der Anteil war in dieser Studie ebenso häufig wie beim American Football. Kritisch zu bewerten sind, laut Dr. Krutsch, auch nicht erkannte Kopfverletzungen und Dauerschläge auf den Kopf. Diese kämen im Handball wie auch im American Football oder Eishockey nicht selten vor, denn Sportler gingen bei kleineren Schlägen nicht immer in die Klinik.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

Beim Fußball sollten die Spieler Protektoren, wie Schienbeinschützer, konsequent tragen, erklärt Dr. Krutsch. Zwar fehlten bislang wissenschaftliche Untersuchungen dazu, ob Knochenbrüche durch Schienbeinschoner vermieden werden könnten. Feststehe jedoch, dass die sehr häufigen schmerzhaften Prellungen durch das Tragen der Beinschienen reduziert werden könnten. Des Weiteren regt er an, dass die Schiedsrichter bei der Auslegung des Regelwerks stets die Verletzungsgefährdung der Spieler im Blick haben sollten.

Am einfachsten ließen sich viele Verletzungen jedoch durch Aufwärmübungen und ein spezielles Training verhindern. Die Konzepte lägen seit längerem vor, sie werden nach Einschätzung des Sportmediziners jedoch viel zu selten umgesetzt. Ohne eine Veränderung müssten die Unfallchirurgen auch in Zukunft viele Patienten mit oft vermeidbaren Sportverletzungen behandeln.

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigter Geschäftsführer:
Jeremy Schneider, Blake DeSimone
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653