20. Juni 2018

Uni-Prüfung: 37 Atteste von einem Arzt

Dutzende Studenten brechen eine Klausur ab, verlassen die Uni wegen vermeintlicher Erkrankung und legen später ein Attest vor – von demselben Arzt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?1 (Lesedauer: 1 Minute)

Die Zahl der Abbrecher während einer laufenden Klausur an der Uni Hohenheim ist höher als zunächst angenommen.

Insgesamt verließen 48 Studenten im Mai die Prüfung, wie die Universität am Montag mitteilte. Zuvor war von 37 Studenten die Rede gewesen. Zudem waren es demnach insgesamt nicht 250 Prüflinge, sondern lediglich 202. Die Hochschule korrigierte ihre Angaben. Damit habe ein Viertel der Teilnehmer die Grundlagenprüfung in Finanzwissenschaften nicht beendet.

37 legten demnach noch am gleichen Tag eine Krankmeldung vor. Sie war von einem einzigen Arzt mit zwei sehr vagen Diagnosen – Kopfschmerzen in Kombination mit Sehstörungen und Übelkeit und Erbrechen – erteilt worden. In 33 Fällen sieht die Hochschule trotz Einlassung der Studenten keinen Grund für das Verlassen der Klausur. Vier Fälle werden noch geprüft.

Angesichts der relativ großen Fallzahl und der sehr knappen und gleichlautenden Diagnosen bezweifelt die Universität, dass überhaupt ausreichende Untersuchungen stattgefunden haben, um die Prüfungsunfähigkeit festzustellen. Symptome, die durch Nervosität oder Prüfungsangst hervorgerufen wurden, sind nach weiteren Angaben der Universität keine zulässigen Gründe für einen Prüfungsabbruch.

Die Uni sieht weitere 103 vom selben Arzt im Vorfeld von Klausuren der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ausgestellte Atteste kritisch.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Stuttgart ergibt sich aus den Vorgängen kein strafrechtlich relevanter Tatbestand. Weder bei dem Arzt noch bei den Studenten sei eine finanzielle Schädigung oder ein finanzieller Vorteil wahrscheinlich, sagte ein Sprecher.

  1. dpa, 18.06.2018

Bildquelle: © istock.com/skynesher

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