09. August 2018

Komplementärmedizin

Falsche Hoffnung für Krebspatienten?

Phytotherapie, Vitamine, Homöopathie: Krebspatienten setzen große Hoffnung auf komplementäre Heilmethoden. Viele versprechen sich davon sogar, den Krebs zu besiegen. Eine US-Studie (JAMA Oncol. 2018) zeigt jetzt, wie sich diese Therapien tatsächlich auf die Überlebenschancen auswirken.1,2 (Lesedauer: 2 Minuten)

Für die Studie wurden Informationen aus der US-amerikanischen National Cancer Database (NCDB) ausgewertet: Unter mehr als 1,9 Millionen Patienten, bei denen ein nicht metastasierter Krebs der Brust, der Prostata, der Lunge oder des Darms diagnostiziert worden war, gab es 258 (0,01 %), bei denen außer mindestens einer etablierten Therapie (OP, Bestrahlung, Chemo- und/oder Hormontherapie) auch einen komplementäre Behandlung (CM) dokumentiert war. Die CM-Patienten waren im Schnitt jünger, öfter weiblich, gebildeter und wohlhabender und hatten weniger Begleiterkrankungen.

Prognose hängt von der Einstellung zu konventionellen Therapien ab

Den 258 CM-Patienten wurden jeweils vier Patienten ohne CM gegenübergestellt, die in Alter, Krebsentität und -stadium, Einkommen, Versicherungstyp und Diagnosejahr übereinstimmten. Nach Abgleich zahlreicher Risikofaktoren war die Anwendung von CM mit einer Verdopplung des Mortalitätsrisikos assoziiert (5-Jahres-Überlebensrate 82,2 % vs. 86,6 %). Wesentlicher Grund der schlechteren Prognose war offensichtlich nicht die CM als solche. Vielmehr neigten die CM-Anwender eher dazu, weitere konventionelle Therapiemaßnahmen abzulehnen. Die Verweigererquoten betrugen bei Operationen 7,0% vs. 0,1%, bei Strahlentherapien 53,0% vs. 2,3%, bei Chemotherapien 34,1% vs. 3,2% und bei Hormonbehandlungen 33,7% vs. 2,8%. Wurde auch dies bei der Auswertung berücksichtigt, war kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen mehr nachweisbar.

Rat der Autoren: Patienten auf komplementäre Therapien ansprechen

Die Autoren empfehlen aufgrund ihrer Ergebnisse, Krebspatienten aktiv nach solchen Therapien zu fragen und ihnen dringend zu raten, alle empfohlenen Therapien zeitgerecht zu befolgen. Die Rate an CM-Nutzern wird in dieser Studie wahrscheinlich erheblich unterschätzt. In Deutschland geht man davon aus, dass etwa 40–50 % der Krebspatienten (auch) Heilmethoden außerhalb der Schulmedizin anwenden.

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653