23. April 2018

Feinstaub erhöht das Risiko für Atemwegsinfektionen bei Kindern

Ein kurzfristiger Anstieg der Feinstaubkonzentration – z.B. bei bestimmten Wetterlagen – führt bei Kindern zu einer Häufung tiefer Atemwegsinfektionen. Besonders Babys und Kleinkinder müssen deswegen gehäuft stationär behandelt werden. Dies konnten US-Forscher anhand von Versicherungsdaten nachwiesen.1,2 (Lesedauer: 1 Minute)

Tiefe Atemwegsinfektionen werden bei Kindern in der Regel durch Viren ausgelöst. Äußere Faktoren können aber eine zusätzliche Rolle spielen. Dazu gehört auch Feinstaub, da er bis in die tiefen Atemwege vordringt und hier die Epithelien schädigen kann. Auch eine Behinderung der Immunantwort ist denkbar.

Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Feinstaubbelastung und kindlichen Atemweginfektionen anhand der Daten von 146.397 Versicherten aus der Wasatch Front Region. Dies ist eine 130 Kilometer lange und 15 bis 30 Kilometer breite Talregion in den Rocky Mountains, in der etwa 80 % der Bevölkerung von Utah leben.

Eine klimatische Besonderheit sind hier häufige Inversionswetterlagen, bei denen es zu einem deutlichen Anstieg der Luftschadstoffe kommt. Die Feinstaubwerte (PM2,5) überschreiten dann häufig die Grenzwerte, PM2,5-Werte von 35 µg/m 3 sind keine Seltenheit. Manchmal werden auch PM2,5-Werte von bis zu 100 µg/m 3 erreicht, die als gesundheitsschädlich eingestuft werden.

Die Forscher konnten jetzt nachweisen, dass es nach solchen Spitzen der Feinstaubbelastung zu einer Zunahme der Klinikbehandlungen wegen akuter tiefer Atemwegsinfektionen kommt. Die Zunahme setzte nach etwa einer Woche ein und erreichte nach etwa drei Wochen einen Höhepunkt. Für Kinder in den ersten beiden Lebensjahren wurde für die ersten vier Wochen eine kumulative Odds Ratio von 1,15 pro Anstieg der PM2,5-Konzentration um 10 µg/m 3 ermittelt.

Ein ähnlicher Effekt auf tiefe Atemwegsinfektionen war auch bei Kindern im Alter zwischen 3 und 17 Jahren (OR 1,32) sowie bei Erwachsenen (OR 1,19) nachweisbar. Da es in diesen Altersgruppen jedoch seltener zu Hospitalisierungen aufgrund solcher Infektionen kommt, sind vor allem kleine Kinder gefährdet.

In den meisten Fällen wurden die Patienten wieder gesund – es kam aber auch zu vereinzelten Todesfällen. In der Studie starben 17 Kinder im Alter von bis zu 2 Jahren, 9 Kinder im Alter von 3 bis 17 Jahren und 81 Erwachsene innerhalb von 30 Tagen nach der Diagnose der akuten tiefen Atemwegsinfektion.

  1. Horne BD et al. Short-Term Elevation of Fine Particulate Matter Air Pollution and Acute Lower Respiratory Infection. American Journal of Respiratory an Critical Care Medicine 2018; Press release American Thoracic Society
  2. Feinstaub fördert tiefe Atemwegsinfektionen bei Kleinkindern. Deutsches Ärzteblatt, 13.04.2018

Bildquelle: © iStock.com/justhavealook

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