18. Juni 2018

Geburtstermin und Frühgeburtsrisiko mit Bluttests vorhersagen

Durch den Nachweis der zellfreien RNA von 9 Genen kann nach den Ergebnissen einer Studie das Alter einer Schwangerschaft ebenso präzise bestimmt wie mit einer Ultraschalluntersuchung. Ein weiterer Test auf 7 Gene könnte geeignet sein, eine drohende Frühgeburt bis zu 2 Monate vorher zu erkennen.1,2 (Lesedauer: 2 Minuten)

Die Bestimmung des Gestationsalters erfolgt bisher oft durch die Angabe der letzten Monatsblutung. Die beruht auf der Erinnerung der Schwangeren, die nicht immer zuverlässig ist. Eine weitere Methode basiert auf der Interpretation von Ultraschallbildern, die schwer zu standardisieren ist.

Ein einfacher (und kostengünstiger) Bluttest, der das Gestationsalter präzise bestimmt, wäre daher eine willkommene Ergänzung für die Schwangerschaftsvorsorge. Die Bestimmung der Schwangerschaftshormone HCG oder Alpha-Fetoprotein hat sich hier aber als unzuverlässig erwiesen. Der Nachweis von zellfreier RNA im Blut der Schwangeren, der Auskunft über die Stoffwechselaktivität in der Plazenta gibt, könnte eine Alternative sein. Alle 9 Gene, die für den Bluttest ausgewählt wurden, sind in der Plazenta aktiv.

Die beiden wichtigsten RNA-Gene des Tests waren CGA und CGB. Sie zeigen die Aktivierung von Choriongonadotropin-alpha und -beta3 an, die zu den Schwangerschaftshormonen gehören. Unter den anderen Genen befand sich auch PAPPA (schwangerschaftsassoziiertes Plasmaprotein A), das in früheren Studien mit einer Frühgeburt assoziiert war, ohne allerdings eine verlässliche Vorhersage zu ermöglichen.

Der Test wurde bei 31 dänischen Schwangeren mit unkompliziertem Schwangerschaftsverlauf validiert. Die Schwangeren stellten einmal in der Woche Blutproben zur Verfügung. Mit dem Test ließ sich das Gestationsalter bis auf 14 Tage genau erkennen. Die Genauigkeit erreichte einen Wert von 45 %. Damit kann sich der Test mit einer Ultraschalluntersuchung messen, mit der eine Genauigkeit von 48 % erzielt wird.

Mit einem weiteren RNA-Test wollten die US-amerikanischen und dänischen Wissenschaftler die Frühgeburtlichkeit vorhersagen. Hierzu wurden 7 Gene genutzt (PAPPA war nicht darunter), die bei einer drohenden Frühgeburt verändert exprimiert werden. In einer ersten Prüfung sagte der Test 6 von 8 Frühgeburten richtig voraus, auf 26 Schwangerschaften mit normaler Schwangerschaftsdauer kam ein falsch positives Ergebnis. In einer zweiten Kohorte wurden 4 von 5 Frühgeburten richtig vorhergesagt, bei 3 falsch positiven Ergebnissen auf 18 Schwangerschaften.

Der klinische Nutzen für beide Tests muss jetzt erst noch in größeren klinischen Studien validiert werden, schreiben die Autoren. Bis zur Einführung dürfte daher noch einige Zeit vergehen.

  1. Thuy T. M. Ngo et al. Noninvasive blood tests for fetal development predict gestational age and preterm delivery. Science 2018; 360 (6393): 1133-1136.
  2. Bluttests können Geburtstermin und (vielleicht auch) Frühgeburt voraussagen. Deutsches Ärzteblatt, 08.06.2018

Bildquelle: © istock.com/AleMoraes244

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