13. April 2018

Eindringtiefe des Ultraschalls Risikofaktor für Autismus?

Ultraschalluntersuchungen werden in der Schwangerschaft immer häufiger eingesetzt. Jetzt konnte in einer US-amerikanischen Fall-Kontrollstudie, die in JAMA Pediatrics veröffentlicht wurde, ein möglicher Zusammenhang zwischen der Eindringtiefe des Ultraschalls und einer späteren Autismus-Spektrum-Störung (ASD) der Kinder festgestellt werden.1 (Lesedauer: 1 Minute)

Vermutet wurde eine Assoziation, da sowohl Ultraschalluntersuchungen bei Schwangeren als auch die Prävalenz von autistischen Störungen in jüngster Zeit zugenommen haben. Die Auswirkungen der hochauflösenden Ultraschalls auf die Hirnentwicklung des Ungeborenen sei unklar, so die Autoren.

Im Rahmen der Fall-Kontroll-Studie wurden 107 ASD-Patienten (78% Jungen) mit 104 Kindern mit Entwicklungsretardierungen und einer Kontrollgruppe mit 209 Kindern mit normaler Entwicklung verglichen. Die Daten stammten aus Patientenakten des Boston Medical Center. Eingeschlossen waren Mütter, die zwischen 2006 und 2014 nach der 37. Schwangerschaftswoche entbunden hatten.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass die späteren ASD-Patienten im ersten Trimenon Ultraschalluntersuchungen mit einer größeren Eindringtiefe ausgesetzt waren (12,5 cm) als die Kontrollgruppe (11,6 cm) und auch als die Gruppe mit Entwicklungsstörung (11,6 cm). Ähnliches galt für das zweite Schwangerschaftstrimester. Im letzten Trimester waren die Patienten mit einer Entwicklungsstörung dagegen der höchsten Beschallungstiefe ausgesetzt (15,3 cm vs. 15,1 cm bei ASD-Patienten versus 14,8 cm bei der Kontrollgruppe).

Die Häufigkeit und Dauer der Ultraschalluntersuchungen hatte dagegen keinen Einfluss – die späteren ASD-Patienten waren sogar etwas weniger häufig sonographiert worden als die beiden anderen Gruppen (5,9 Mal vs. 6,1 Mal bei der Verhaltensstörungsgruppe vs. 6,3 Mal bei den Normalentwickelten)

Einschränkend geben die Forscher zu bedenken, dass die größere Beschallungstiefe auch daran liegen könnte, dass Mütter von späteren ASD-Patienten in der Schwangerschaft durchschnittlich häufiger fettleibig waren als Mütter von Kindern mit einer Entwicklungsstörung. Außerdem waren Frühgeburten, bei denen ein höheres Risiko für ASD bekannt ist, ausgeschlossen und es lagen keine Daten zum Raucherstatus und zur Komorbidität der Mütter vor.

  1. N. Paul Rosman et al. Association of Prenatal Ultrasonography and Autism Spectrum Disorder. JAMA Pediatr 2018;172(4):336-344.
  2. Schwangerschaftsdiagnostik – Ultraschall begünstigt möglicherweise Autismus beim Kind. Springer Medizin Nachrichten, 06.03.2018

Bildquelle: ©iStock.com/vgajic

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