10. Oktober 2018

Akuter Blinddarm: Durch Antibiotika lässt sich die Operation oft vermeiden

Die sofortige Appendektomie galt über mehr als 100 Jahre als einzige Option bei akuter Blinddarmentzündung. In den letzten Jahren mehrten sich aber die Hinweise, dass auch eine kurzzeitige Antibiotikagabe die Appendizitis zur Abheilung bringen kann. Bestätigt wird das durch die jetzt vorliegenden Langzeitergebnisse einer finnischen Studie.1,2 (Lesedauer: 1 Minute)

Im Rahmen der APPAC-Studie („Appendicectomy Versus Antibiotics in the Treatment of Acute Uncomplicated Appendicitis“) waren zwischen 2009 und 2012  an sechs finnischen Kliniken 530 Patienten mit Appendizitis auf eine sofortige Operation oder eine Antibiotikabehandlung (3 Tage Ertapenem i.v. gefolgt von einer 7-tägigen oralen Behandlung mit Levofloxacin plus Metronidazol) randomisiert worden. Die Patienten waren zwischen 18 und 60 Jahren alt und die klinische Diagnose einer unkomplizierten akuten Appendizitis war durch eine Computertomografie bestätigt worden. Die Chirurgen behielten die Option, im Zweifelsfall doch noch zu operieren.

Von den 257 Patienten der Antibiotikagruppe wurden 15 noch in den ersten Tagen in der Klinik operiert. Bei 7 dieser Patienten war die Entscheidung richtig, da eine komplizierte Appendizitis vorlag. Bei 5 dieser Patienten war der Appendix bei der Operation bereits perforiert. Nach dem Ende des ersten Jahres war die Zahl der operierten Patienten auf 70 angestiegen – darunter 5 Patienten, bei denen die Appendix in der histologischen Aufarbeitung gar nicht entzündet war. Nach 5 Jahren ist die Zahl der appendektomierten Patienten auf 100 gestiegen (darunter 7 ohne Appendizitis).

Die „Misserfolgsrate“ der Antibiotikabehandlung betrug demnach 36 % (93 von 257 Patienten). Nach den Berechnungen der finnischen Autoren konnte somit durch die Antibiotikatherapie 6 von 10 Patienten mit unkomplizierter akuter Appendizitis die Operation erspart werden.

Die Befürchtung, dass die Antibiotikabehandlung den Zeitpunkt der Appendektomie nur aufschiebt und es später zu umso komplizierteren Verläufen kommt, wurde in der APPAC-Studie nicht bestätigt: Die Gesamtkomplikationsrate (chirurgische Wundinfektionen, Narbenhernien, Bauchschmerzen und obstruktive Symptome) war mit 6,5 % in der zunächst antibiotisch behandelten Gruppe signifikant geringer als in der chirurgischen Gruppe, wo es bei 24,4 % zu Komplikationen kam.

1. Paulina Salminen et al; Five-Year Follow-up of Antibiotic Therapy for Uncomplicated Acute Appendicitis in the APPAC Randomized Clinical Trial; JAMA (2018); 320(12):1259-1265. doi:10.1001/jama.2018.13201

2. Deutsches Ärzteblatt: Appendizitis: Antibiotika können Operation auch langfristig vermeiden

Bildquelle: © iStock.com/Diy13

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