19. Februar 2021

Covid-19

RKI rechnet mit steigenden Fallzahlen, Spahn mahnt zu Vorsicht

RKI-Präsident Lothar Wieler und Bundesgesundheitsminister Spahn mahnen angesichts stagnierender Covid-19-Fälle zur Vorsicht. Der Vorsitzende des Weltärztebundes Frank Ulrich Montgomery spricht sich derweil gegen Astrazeneca-Impfung bei medizinischem Personal aus.1-2

Lesedauer 3 Minuten

„Wir stehen möglicherweise erneut an einem Wendepunkt. Der rückläufige Trend der letzten Wochen setzt sich offenbar nicht mehr fort“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Freitag, 19. Februar 2021 im Rahmen einer Pressekonferenz. Ursache dafür seien vermutlich ansteckendere Varianten des Virus. „Es werden auch mehr junge Erwachsene, Jugendliche und auch Kinder erkranken“, prognostizierte Wieler.

Die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen liegt nach den jüngsten RKI-Daten bundesweit bei 56,8 – und damit nur geringfügig niedriger als am Vortag (57,1). Schon in den Tagen zuvor hatte es keinen deutlichen Rückgang dieses Inzidenzwerts mehr gegeben. Bund und Länder streben ein Niveau von weniger als 50 an, weitergehende Öffnungsschritte sollen bei weniger als 35 möglich sein.

Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung bestätigt RKI-Aussagen

Stagnierende Fallzahlen in vielen Bundesländern beobachten auch Wissenschaftler im Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. System-Immunologe Sebastian Binder hält es für möglich, dass sich eine bundesweite 50er-Inzidenz im Moment gar nicht erreichen lässt.

„Diese Gefahr ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen. Aktuell sehen wir mindestens ein Plateau in der Entwicklung der Fallzahlen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Ein kausaler Zusammenhang mit der Virus-Variante B 1.1.7. lasse sich dabei noch nicht sicher nachweisen. Er liege aber nahe. „Wir müssen damit rechnen, dass die neue Variante sich möglicherweise bereits wieder exponentiell ausbreitet, ähnlich, wie es die alte Variante im Oktober 2020 tat.“

Wieler rät dazu, Impfangebote anzunehmen

Mit einer spürbaren Wirkung von Impfungen auf die Pandemie-Eindämmung rechnet Systemimmunologe Binder „vielleicht gegen Ende des zweiten Quartals 2021“. Das hänge aber immer mit der Verfügbarkeit der Impfstoffe, der Geschwindigkeit der Impfungen und auch mit der Impfbereitschaft zusammen. Wieler riet dazu, Impfangebote anzunehmen. Alle Impfstoffe in Deutschland seien sicher, wirksam und sie schützten.

Montgomery gegen Astrazeneca-Impfung bei medizinischem Personal

Noch am Mittwoch hatte der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery für hitzige Debatten in der Ärzteschaft gesorgt, weil er im Interview mit der Rheinischen Post äußerte, dass medizinisches Personal und Pflegekräfte sich nach seiner Ansicht nicht mit dem Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca geimpft werden sollten. Der Impfstoff sei zwar genauso sicher wie die anderen. „Doch die geringere Wirksamkeit lässt sich nicht wegdiskutieren“, sagte Montgomery der Rheinischen Post. „Daher halte ich es für geboten, Menschen mit hohem Infektionsrisiko, zu denen medizinisches Personal oder Pflegekräfte gehören, mit besser wirksamen Vakzinen zu impfen.“ Er habe Verständnis für medizinisches Personal, dass sich nicht mit dem Astrazeneca-Impfstoff impfen lassen wolle.

Zuletzt hatte es Berichte über eine geringere Wirksamkeit des Astrazeneca-Vakzins gegen neu aufkommende Virusvarianten gegeben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt jedoch weiterhin den Einsatz des Impfstoffs. In Deutschland hat die Impfkommission das Vakzin des britisch-schwedischen Konzerns nur für unter 65-Jährige empfohlen. Während die Mittel von Moderna und Biontech eine Wirksamkeit von 94 und 95 Prozent haben, sind es bei Astrazeneca nach einer neuen Studie nach der ersten Impfung 76 Prozent und nach der zweiten bis zu 82 Prozent.

Jüngere Menschen mit wenigeren Kontakten und einem geringeren Risiko für schwere Verläufe könnten hingegen von Astrazeneca profitieren, sagte Montgomery weiter. Er forderte: „Es muss eine Auswahlmöglichkeit der Impfstoffe für die Menschen geben, damit die Impfbereitschaft hoch bleibt.“ Leider habe der Impfstoff von Astrazeneca ein Imageproblem, und es sei „genau die Verunsicherung aufgetreten, die alle vermeiden wollten.“

  1. Mehr Corona-Ausbrüche möglich – Spahn mahnt zur Umsicht; dpa; 19.02.2021.
  2. Montgomery gegen Astrazeneca-Impfung bei medizinischem Personal; dpa; 16.02.2021.

Bildquelle: © gettyimages/PixelsEffect

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