Teil der Inhaltsstoffe zahnmedizinisch wirksam
Die Angabe der Zusammensetzung von Zahnpasten auf der Packung ist je nach Produkt unterschiedlich lang. Da fast alle Produkte keinen therapeutischen, sondern einen schützenden, reinigenden Effekt haben, fallen sie rechtlich unter den Begriff „Kosmetika“. Laut Vorgabe müssen die Inhaltsstoffe nach der INCI (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) vollständig angegeben werden – bis zu einer Konzentration von 1 % in absteigender Reihenfolge. Für Inhaltsstoffe, die weniger als 1 % ausmachen, ist die Reihenfolge nicht vorgeschrieben.
Ein großer Anteil der Inhaltsstoffe soll Konsistenz, Geschmack und Aussehen günstig beeinflussen. Der kleinere, zahnmedizinisch wichtigere Anteil jedoch enthält Wirkstoffe, die auf unterschiedliche Art vor Karies und Entzündungen schützen oder desensibilisierend wirken.1
Abrasivstoff Silica
Früher wurde häufig Calciumcarbonat verwendet, um die Reinigungswirkung zu verstärken. Inzwischen ist jedoch bekannt, dass durch dessen Reaktion mit ionischen Fluoridverbindungen deren Wirkung inaktiviert wird. Mittlerweile ist daher Silica (Siliciumdioxid; SiO2) der am häufigsten verwendete Abrasivstoff. Silica ist effizient bei der Plaqueentfernung, was entscheidend für die Kariesprophylaxe ist. Dabei ist es schonend zu Zahnhartsubstanzen und Schleimhäuten. Seine mikroskopische Struktur wurde für Zahnpasten über die Jahre messbar optimiert, so dass das Verhältnis zwischen Reinigungsfunktion und Abrasivität immer günstiger wurde.1,2 Um die Abrasivität darzustellen, wird beispielsweise der RDA (Relative Dentin Abrasion)-Wert ermittelt. Dieser muss aber nicht auf der Verpackung angegeben werden.
Tenside: Betain sanfter zur Mundschleimhaut
Ähnlich wie bei Waschmitteln, entfalten Zahnpasten durch Tenside ihre Reinigungsfunktion. Sie sorgen also nicht nur für den bei Benutzern angenehmen Schaum, sondern verteilen die Wirkstoffe im Mundraum und unterstützen die Entfernung des Biofilms auf Zahnoberflächen.
1,3 In Zahnpasten verwendete Tenside sind Natriumlaurylsulfat, Natrium-C14-16-Olefinsulfonat , Aminfluorid und Betain. Besonders bei Natriumlaurylsulfat gibt es Hinweise aus in-vitro-Studien auf eine gewisse zellschädigende Wirkung. Daher wird besonders für Kinder und Erwachsene mit empfindlichen Schleimhäuten
und Neigung zu Aphthen eine Zahnpasta mit Betain als Tensid empfohlen.
3Fluoride und Zink gegen Säuren und Bakterien
Fluoride sind nachweislich ein wichtiger Bestandteil in der Prophylaxe gegen Karies. Sie hemmen die Wirkung von Säureangriffen auf den Zahnschmelz, indem sie mit Kalzium eine Kalziumfluoridschicht auf der Schmelzoberfläche bilden und sich einlagern. Gleichzeitig bewirken sie eine Remineralisation nach Säureangriffen und wirken antibakteriell.4,5 Neuere Studien weisen darauf hin, dass Zahnpasten mit Zinnfluorid besonders antibakteriell wirksam sind.6 Eine Kombination aus AmF/SnF2 schnitt am besten ab, gefolgt von AmF und SnF2 allein.1
Zink als Zusatz wirkt ebenfalls antimikrobiell. Somit ist es zusammen mit Fluoriden ein hilfreicher Zusatz in Zahnpasten zur Vorbeugung von Gingivitis und Halitosis.1
Laut Kosmetikverordnung liegt die Fluorid-Maximalkonzentration in Zahnpasten bei 1500 ppm. Um diesen Wert sicher nicht zu überschreiten, liegt die realistische Konzentration bei 1450 ppm, so auch angegeben auf den Verpackungen.1 Dies ist auch die empfohlene Dosierung für zweimal tägliches Zähneputzen bei Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren. In Kinderzahnpasten für Kinder unter 6 Jahren sollten 1000 ppm Fluorid enthalten sein, wobei die Menge altersentsprechend dosiert werden muss.
Fluoride als Arzneimittel
Im Gegensatz zu Zahnpasten, die unter die Kosmetikverordnung fallen, gibt es ein spezielles Produkt, das als Arzneimittel zugelassen ist. Es verfügt über eine Konzentration von 5000 ppm Fluorid und ist verschreibungspflichtig. Indiziert ist diese Zahnpasta bei Patientinnen und Patienten, die ein besonders hohes Kariesrisiko haben, weil sie beispielsweise pflegebedürftig sind oder eine Tendenz zu Wurzelkaries vorhanden ist. Studien zufolge lässt sich das Risiko für Wurzelkaries so deutlich reduzieren.1
Wirkstoffe bei Hypersensitivität
Durch säurebedingte Erosionen und falsche Putztechnik bzw. zu viel Druck beim Putzen kann es zu hypersensiblen Zähnen kommen. Viele Zahnpasten sind auf dem Markt, deren Inhaltsstoffe einen Verschluss der Dentintubuli und somit eine deutliche Linderung der Symptome bewirken können. Eingesetzt werden hierfür Kalium und Strontiumverbindungen, Arginin und Calciumcarbonat, Zinnfluorid, Kalzium-Natrium- Phosphosilikat, Hydroxylapatit, Aluminiumlaktat und Zink-Carbonat-Hydroxylapatit. Parallel dazu ist es notwendig, auf eine schonendere Putztechnik umzustellen.1
Phosphate und Farbstoffe gegen Verfärbungen und Zahnstein
Bei Verfärbungen, die durch Tee, Kaffee, Wein und Tabakrauch entstehen, liegt deren Vorbeugung darin, Pellikelbildung an der Zahnoberfläche zu verhindern. Gelingt dies, können innerhalb der Pellikel keine Proteine denaturieren und keine Metallsulfide entstehen, die dann als Verfärbung sichtbar werden. Pyrophosphate und besonders Polyphosphate können Pellikelproteine ablösen bzw. deren Neubildung sogar teilweise verhindern. Für eine bessere Wirksamkeit besitzen Zahnpasten gegen Verfärbungen zusätzlich eine gewisse Mindestabrasivität. Insgesamt lassen sich so etwas bessere Ergebnisse erzielen als mit Standardzahnpasten. Bestehende Verfärbungen lassen sich jedoch oft nur mit einer professionellen Zahnreinigung entfernen.1
Liegt die Ursache von Verfärbungen im Inneren der Zähne, können Farbzusätze (z.B. Farbstoff-Code CI 74160) in der Zahnpasta, die komplementär zur Farbe Gelb sind, temporär ausgleichend wirken.1
Neben der Verhinderung der Pellikelbildung können o.g. Phosphate auch als Kristallisationshemmer wirken und dadurch der Entstehung von Zahnstein entgegen wirken.1
Fazit: Individuell beraten
Zahnpasten sorgen nicht nur für ein angenehmeres Mundgefühl während des Zähneputzens und danach. Zahlreiche Inhaltsstoffe haben schützende, vorbeugende, kosmetische und sogar therapeutische Wirkungen, die wissenschaftlich belegt sind. Zahnärztinnen und Zahnärzte sollten individuell beraten und je nach Bedarf die richtige Empfehlung abgeben können.