Diagnostik und Klassifikation
Um eine objektive und verlässliche Verlaufsbeurteilung zu gewährleisten, steht, sobald die Patientin oder der Patient wach und kooperativ ist, die klinisch-neurologische Untersuchung nach dem internationalen ISNCSCI-Standard (International Standards for Neurological Classification of Spinal Cord Injury) an erster Stelle. Dazu gehört die Dokumentation folgender Aspekte:
- Neurological Level of Injury
- ASIA Impairment Scale
- Zone of Partial Preservation
Bei einem schweren Trauma ist zudem eine gezielte Untersuchung der Wirbelsäule und der damit verbundenen sensomotorischen Funktionen obligat.
Im Falle einer nicht-traumatischen Querschnittlähmung soll zur Diagnosestellung eine klinisch-neurologische Untersuchung erfolgen, um Schädigungshöhe und Schweregrad festzustellen.1,2
(chirurgische) Akutversorgung
Besteht bereits am Unfallort der Verdacht auf eine Querschnittlähmung, soll der Patient oder die Patientin in ein qualifiziertes überregionales Traumazentrum mit umfassender interdisziplinärer Kompetenz erfolgen. Steht die Diagnose einer Querschnittlähmung fest, wird der Patient oder die Patientin in ein spezifisches Querschnittgelähmtenzentrum verlegt.
Für Wirbelkörperfrakturen mit neurologischem Defizit im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule empfiehlt die Leitlinie folgendes operatives Vorgehen:
- offen-chirurgischer Zugang zur Wirbelsäule
- ausreichende knöcherne Dekompression des Spinalkanals
- Stabilisierung der Wirbelsäule mit dorsalem Fixateur interne
Begleitende Extremitätenverletzungen sollten unabhängig vom neurologischen Status nach AO-Kriterien versorgt werden.1,2
Respiratorisches Management und Weaning
Das erforderliche intensive respiratorische Management umfasst die Anpassung von Beatmungsvolumina, Lagerung und Sekretmanagement sowie ein gezieltes Training der Atmung und Atemhilfsmuskulatur. Bei Patientinnen und Patienten mit akuter zervikaler und hoch thorakaler Querschnittlähmung soll die Entwöhnung von der Beatmung (Weaning) in spezialisierten Zentren erfolgen.1,2
Thrombose, Darm und Blase
Die medikamentöse Thromboseprophylaxe mit Heparin sollte unter Beachtung des Blutungsrisikos so früh wie möglich eingeleitet werden, um das Risiko für venöse Thromboembolien zu reduzieren. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der neurogenen Darm- und Blasenfunktionsstörung: Die Leitlinie empfiehlt in der Akutphase nach Eintritt der Querschnittlähmung eine tägliche Überprüfung der Darmgeräusche und des Rektums, um den oralen Kostaufbau individuell anzupassen. Zudem soll in den ersten Tagen nach Eintritt einer zervikothorakalen Querschnittlähmung eine logopädische Diagnostik zur Identifikation einer möglichen Dysphagie erfolgen.
In der Akutphase erfolgt die Harnleitung über einen klein- bis mittelkalibrigen Silikon-Dauerkatheter (12–14 Ch.). Tritt bei männlichen Patienten ein Priapismus auf, muss zeitnah eine urologische Mitbehandlung erfolgen.1,2
Dekubitus und Frührehabilitation
Aufgrund des Risikos für Druckgeschwüre ist ein strukturiertes Präventions- und Behandlungskonzept unabdingbar: Dies beinhaltet eine umfangreiche Hautkontrolle an Prädilektionsstellen bei jedem Positionswechsel sowie den Einsatz geeigneter Lagerungshilfen. Liegt bereits ein Dekubitus vor, hat eine sofortige Druckentlastung zu erfolgen. Auch eine lokale Wundversorgung soll durchgeführt werden.
Parallel dazu müssen aktivierende Therapien wie Physio- und Ergotherapie frühestmöglich beginnen. Dazu zählt u. a. das tägliche Durchbewegen der Extremitäten unter Berücksichtigung der Schmerzgrenze. Wichtig ist laut Leitlinie darüber hinaus die Anpassung von Kommunikationshilfen an die Lähmungshöhe.1,2
Dieser Artikel wurde mit der Unterstützung von KI erstellt und anschließend redaktionell geprüft.