Depressive Störungen gehören weltweit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie treten bereits im frühen Kindesalter auf, wobei die Prävalenz im Jugendalter auf ca. 8 % deutlich steigt. Sie tragen erheblich zur Krankheitslast bei Kindern und Jugendlichen bei und belasten sowohl Betroffene als auch ihre Familien. Die Covid-19-Pandemie verstärkte diese Entwicklung durch soziale Isolation und Zukunftsängste. International stiegen depressive Symptome auf etwa 25 %, in Deutschland auf bis zu 24 %. Nach der Pandemie sanken die Werte wieder, die psychische Belastung blieb jedoch erhöht.
Mit der Veröffentlichung der
aktualisierten S3-Leitlinie „Behandlung depressiver Störungen im Kindes- und Jugendalter“ im Leitlinienregister der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) liegt eine umfassend überarbeitete, evidenzbasierte Behandlungsleitlinie für Fachpersonen aus dem Gesundheitsbereich vor. Die Leitlinie wurde federführend von Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne und seinem Team bearbeitet, die dafür neue wissenschaftliche Studien ausgewertet und für aktuelle Behandlungsempfehlungen verwendet haben.
„Es war beeindruckend, wie viele neue Studien zur Behandlung der Depression im Kindes- und Jugendalter in den letzten Jahren veröffentlicht wurden, die Eingang in die neuen Empfehlungen gefunden haben“, sagt Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am LMU Klinikum München. „Vor allem die frühzeitige Beteiligung der Kinder und Jugendlichen mit einer Depression an den Therapieentscheidungen auf der Basis einer alters- und entwicklungsangemessenen Aufklärung und Partizipation ist eine wichtige Neuerung in der Leitlinie“, ergänzt der Klinikdirektor. „Eine wichtige neue Empfehlung ist, dass unabhängig vom Schweregrad der Depression nach der fachärztlichen Diagnosestellung eine Behandlung immer erfolgen soll.“
Häufig verlaufen depressive Erkrankungen phasenweise in unterschiedlicher Dauer von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten und gehen mit erheblichen Beeinträchtigungen der psychosozialen Entwicklung, vor allem im schulischen und beruflichen Bereich einher. Zudem erhöhen sie das Risiko für weitere psychische und somatische Erkrankungen. Da sich Symptomatik, Behandlungsbedarf und Wirksamkeit therapeutischer Ansätze altersabhängig unterscheiden, lassen sich Erkenntnisse aus dem Erwachsenenbereich nicht auf Kinder und Jugendliche übertragen.
Die aktualisierte Leitlinie fasst die wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit verschiedener Behandlungsansätze zusammen und unterstützt Behandlerinnen und Behandler bei der Auswahl und Planung einer wirksamen Therapie. Ziel ist es, die leitliniengerechte Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Depression zu verbessern, die Krankheitsdauer und Rückfallrisiken zu reduzieren und gleichzeitig unerwünschte Neben- und Folgewirkungen möglichst gering zu halten.
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