Auf Basis der Daten von 2.651 Männern aus der Study of Health in Pomerania (SHIP) zeigte eine Kohortenanalyse, dass ein niedriger PSA-Ausgangswert mit einem deutlich geringeren langfristigen Risiko für ein Prostatakarzinom verbunden ist. Nach Einschätzung der Arbeitsgruppe aus Berlin und Greifswald, die ihre Ergebnisse in
JAMA Network Open veröffentlicht hat, sprechen diese Befunde für ein risikoangepasstes Screening mit verlängerten Untersuchungsintervallen bei Männern im Alter von 45 bis 70 Jahren mit niedrigen PSA-Werten.
Ein unstrukturiertes, opportunistisches PSA-Screening geht nach Angaben der Autoren mit einem erheblichen Risiko der Überdiagnose klinisch nicht signifikanter Prostatakarzinome einher. Zwar lässt sich durch den Einsatz einer MRT im Anschluss an einen PSA-Test die Zahl der Überdiagnosen und unnötigen Biopsien senken, doch bleibt auch dieses Vorgehen in seiner Aussagekraft begrenzt, da bis zu 50 Prozent der Befunde falsch positiv ausfallen können.
Vor diesem Hintergrund untersuchte die Kohortenstudie den Zusammenhang zwischen klinischen Parametern und laborchemisch bestimmten Biomarkern – darunter das prostataspezifische Antigen (PSA) sowie die PSA-Dichte als Quotient aus Gesamt-PSA und dem per Ultraschall gemessenen Prostatavolumen – und dem langfristigen Prostatakrebsrisiko bei gesunden Männern im Alter zwischen 45 und 70 Jahren.
Die kumulative Inzidenz von Prostatakrebs unterschied sich signifikant zwischen den PSA-Wert-Gruppen (p <0,001).
In einer multivariablen Cox-Regressionsanalyse waren das Alter (HR 1,04), der PSA-Wert (HR 1,06) und die PSA-Dichte (HR 1,41) durchgängig mit dem Prostatakrebs-Risiko assoziiert. Das Prostatavolumen und andere klinische oder biochemische Variablen, einschließlich des Body-Mass-Index, des HbA1c-Werts und der Fettstoffwechselwerte, zeigten keinen signifikanten Zusammenhang mit dem Prostatakrebs-Risiko.