Kernbotschaften
Eine 65-jähriger Mann kam 3 Monate nach einer post-partiellen-Penektomie aufgetretenem penilem Ausfluss und faulem Geruch ins Krankenhaus. Als Vorerkrankungen waren ein terminales Nierenversagen, ein insulinpflichtiger Diabetes mellitus Typ II, eine periphere arterielle Verschlusskrankheit, die eine Amputation des rechten Unterschenkels erfordert hatte sowie eine arterielle Hypertonie bekannt.
Eine körperliche Untersuchung offenbarte Nekrosen im Penisgewebe. Es bestand der Verdacht auf ein Fournier-Gangrän. Laboruntersuchungen zeigten ein erhöhtes Kreatinin sowie ein erhöhtes Parathormon. Angesichts der Befunde und der Vorgeschichte wurde die Entscheidung zur totalen Penektomie getroffen.
Der Patient und seine Vorgeschichte
Der Diabetes mellitus Typ II war fortgeschritten und wurde mit Insulin behandelt. Das Nierenversagen erforderte regelmäßige Hämodialysen. Die periphere arterielle Verschlusskrankheit hatte eine Amputation des rechten Unterschenkels notwendig gemacht.
Der Patient gab an, die Familienplanung abgeschlossen zu haben und sich bewusst zu sein, dass eine totale Penektomie therapeutisch erforderlich werden könnte. Die Familien-, Sozial-, Drogen-, Allergie- und Reiseanamnesen verliefen unauffällig.
Befunde
Bei der Aufnahme des Patienten wurden dessen Vitalparameter gemessen. Atem- und Herzfrequenz, Blutdruck, Sauerstoffsättigung bei Raumluft und Körpertemperatur lagen in ihrer jeweiligen Normspanne.
Die Inspektion, Auskultation, Palpation und Perkussion des Patientenkörpers bestätigten die anamnestischen Angaben. Das Penisgewebe war nekrotisch und erweckten den Verdacht auf ein Fournier-Gangrän
).
Laboruntersuchungen wurden durchgeführt und ergaben unter anderem folgende Werte (Normspannen in Klammern):
- Kreatinin: 6,1 (0,7-1,3) mg/dL
- Calcium: 8,7 (8,6-10,5) mg/dL
- Phosphat: 4 (2,8-4,5) mg/dL
- Parathormon: 189 (14-65) pg/mL
Eine vollständige Penektomie wird erforderlich
In der Gesamtschau der Befunde sowie in Anbetracht der Vorgeschichte des Patienten wurde dem Patienten zu einer vollständigen Penektomie geraten. Intraoperativ erfolgten Wundabstriche, in denen sich Morganella- und Proteusspezies zeigten. Histopathologische Untersuchungen ergaben ein Gangrän des distalen Penis‘ mit akuter und chronischer Entzündung, fokaler Abszessformation, Granulationsgewebe und Ulzeration. Hinweise auf bösartige Veränderungen fehlten.
Eine Woche postoperativ wurden mehrere Debridements des Skrotums und der Genitalregion notwendig. Zudem fiel ein Abszess im Unterbauch auf. In Absprache mit der Allgemeinchirurgie erfolgte eine Eiterablassung. Hinterher zeigte der Patient bis auf milde skrotale Schmerzen keine Beschwerden.
Am 16. Tag hatte sich die Leukozytose gelegt, sodass die Entlassung des Patienten mit Anweisung für eine subakute Rehabilitation erfolgte. Ferner erfolgte die Überweisung zu einem ambulanten plastischen Chirurgen, die der Patient jedoch nicht nutzte.
Bei einer Follow-Up-Untersuchungen nach 2 Monaten zeigte sich die skrotale Wunde regelrecht mit Granulationsgewebe. Komplikationen waren nicht aufgetreten.
Diskussion
„Zum Management der penilen Calciphylaxie besteht aufgrund deren Seltenheit kein Konsensus“, schreiben die Fallautorinnen und -autoren. Großangelegter randomisierte Studien fehlten aus demselben Grund.
Einzelne Studienergebnisse deuteten jedoch darauf hin, dass eine Anpassung der Therapiestrategie an den Schweregrad der Krankheit das Outcome verbessern könne. So könnten nichtinfizierte, trockene Gangräne oft konservativ therapiert werden. Infizierte oder trockene, hochgradige Gangräne profitierten hingegen oft von einer aggressiven operativen Therapie.
Dieser Beitrag ist im Original bei Univadis.de erschienen, Teil des Medscape Professional Network.