Das Prostatakarzinom ist mit 25 % der Krebserkrankungen des Mannes das häufigste Malignom bei Männern. In Deutschland erkranken jährlich circa 70-72.000 Menschen neu (1). Und obwohl etwa 2 Drittel der Tumoren in einem frühen Stadium entdeckt werden und sich die Überlebensraten auch bei metastasierten Formen in den vergangenen Jahrzehnten erhöht haben, sterben noch immer circa 15.000 Patienten pro Jahr in Deutschland am Prostatakarzinom (PCa). Zu Beginn der Erkrankung sind Androgene die treibende Kraft des Tumorwachstums und die Androgenentzugstherapie (ADT) ist ein zentrales Behandlungselement. Mehr als 90 % der Patienten sprechen initial darauf an (hormonsensitives PCa). Bei einem Teil kommt es trotz suffizient supprimierten Testosterons zur Progression (kastrationsresistentes PCa, CRPC). Das derzeit bevorzugte Chemotherapeutikum beim Prostatakarzinom ist Docetaxel.Cabazitaxel, ebenfalls ein Taxan, kann bei Patienten angewendet werden, die bereits mit Docetaxel vorbehandelt worden sind. In einer großen, retrospektiven Untersuchung von Männern mit metastasiertem, Docetaxel-vorbehandeltem PCa ist untersucht worden, ob Docetaxelnach einer Behandlungspause - in der es keine Progression gab - ohne Nachteil für den Patienten wiederaufgenommen werden kann oder ob Cabazitaxel in dieser Situation günstiger ist (2).
Die Ausgangsbasis der Studie sei praxisrelevant, heißt es im Editorial (3). Es gebe viele Gründe, nach einer initialen Therapie des mCRPC mit Docetaxel eine Behandlungspause einzulegen, ohne dass die Erkrankung fortgeschritten wäre, so die Kommentatoren.
Bislang sei man davon ausgegangen, dass Patienten anschließend von Cabazitaxel mehr profitierten als von einer erneuten Docetaxel-Gabe. Diese Hypothese aber sei nicht durch randomisierte Kopf-an-Kopf-Studien überprüft worden und die Finanzierung entsprechender Studien auch in Zukunft unwahrscheinlich.
Die Analyse aus dem VA-Register sei daher hilfreich und im Rahmen einer retrospektiven Kohortenstudie mit einem Beobachtungszeitraum von bis zu 13 Jahren auch methodisch gut.
Als Fazit für die Praxis ergebe sich: Patienten mit Docetaxel-vorbehandeltem mCRPC haben bei der Wiederaufnahme einer Zytostatikatherapie keinen Vorteil von einem Wechsel zu Cabazitaxel, sondern sollten zunächst mit Docetaxel weiter therapiert werden. Dies sei nicht nur klinisch effektiver, sondern auch finanziell günstiger. 6 Zyklen einer Cabazitaxel-Therapie (20 mg/m2) kosteten in den USA 54.000 U$, mit einem generischen Docetaxel-Präparat (75 mg/m2) aber 85 U$. Wenn der Patient keine Nachteile habe, seien solche Kostenüberlegungen sinnvoll und wichtig.