Neben Faktoren wie Umweltverschmutzung, sitzender Lebensstil, Rauchen und Alkoholkonsum wird auch eine ungesunde Ernährung mit männlicher Infertilität in Zusammenhang gebracht. Nüsse könnten durch ihren hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren und Antioxidanzien einen positiven Effekt haben. In randomisierten kontrollierten Studien waren sie die einzige Nahrungsmittelgruppe, die bei gesunden jungen Männern im reproduktiven Alter die Spermienqualität signifikant verbessern konnte – wahrscheinlich durch antiinflammatorische und antioxidative Wirkungen.
Dies wollte das
Team um die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Estefanía Dávila-Córdova von der Universität in Reus in Spanien im Rahmen einer Querschnittsuntersuchung genauer untersuchen. Eingeschlossen waren 222 gesunde Männer bis 40 Jahre (im Mittel 28 Jahre), die an der Kohortenstudie Led-Fertyl teilnahmen. In dieser Studie wurden die Auswirkungen von Lebensstil und Umweltfaktoren auf die Spermienqualität untersucht. Männer mit Autoimmun- oder Herzkreislauferkrankungen sowie anderen Erkrankungen, die sich negativ auf die Spermienqualität auswirken könnten, waren ausgeschlossen.
Alle Teilnehmer füllten bei Studienbeginn zwischen den Jahren 2021 und 2024 einen validierten semiquantitativen Fragebogen mit 143 Fragen zur Ernährung aus, der auch die Häufigkeit des Nussverzehrs umfasste. Aus neun Kategorien von „nie“ bis „sechs Portionen (á 30 g) wöchentlich“ wurde dann der Gesamtnusskonsum sowie der Konsum einzelner Nussarten errechnet. Im Schnitt verzehrten die Männer laut Fragebogen 17 Gramm Nüsse pro Tag. In der Gruppe mit dem geringsten Konsum waren es im Mittel 6 Gramm, in der mit mittlerem Konsum (drei bis sieben Portionen pro Woche) 17 Gramm und in der mit dem höchsten Konsum 39 Gramm.
Nach Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Raucherstatus, Bildung, BMI, körperliche Aktivität, Energiezufuhr und weitere Ernährungsfaktoren, zeigte sich bei Männern mit dem höchsten Nusskonsum gegenüber jenen mit dem niedrigsten eine deutlich höhere Gesamtspermienzahl und eine höhere Spermienkonzentration. Ein hoher Gesamtnussverzehr ging zudem seltener mit einer abnormen Gesamtmotilität (minus 75 %) und einem als abnorm klassifizierten Spermiogramm (minus 69 %) einher (verglichen mit dem geringsten Nusskonsum). Als besonders vorteilhaft für die Spermienqualität erwiesen sich Mandeln, Pistazien und „andere Nüsse“ – Walnüsse zeigten keine positive Assoziation. Bei hoher Adhärenz zu einer mediterranen Ernährung waren die positiven Effekte eines hohen Nussverzehr besonders ausgeprägt.
Da es sich lediglich um eine Querschnittsanalyse mit einmaliger Ernährungsbefragung handelte, sind die Resultate jedoch mit Vorsicht zu interpretieren. Die Untersuchung macht aber deutlich, dass sich die männliche Fertilität durchaus durch einzelne Ernährungskomponenten beeinflussen lässt, so das Autorenteam.