Dazu sind die Daten einer
internationalen randomisierten Nicht-Unterlegenheitsstudie mit Zoliflodacin publiziert worden. Die Möglichkeit, eine Substanz oral an einem Tag einzunehmen und mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 % die Infektion behandelt zu haben, sei angesichts der weltweiten Resistenzlage ein großer Fortschritt, heißt es im Kommentar.
Infektionen mit Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae, NG) gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen weltweit. In Europa und in den USA sind die Inzidenzen in den letzten 10 Jahren deutlich angestiegen. Für Deutschland gibt es keine Daten zur Gesamtinzidenz der Gonokokken, da die Infektionen bis 2021 nicht bundesweit meldepflichtig waren. Meldedaten aus Sachsen zufolge sind die Inzidenzen von 1,8 Infektionen/100.000 Einwohner im Jahr 2001 auf 19,9/100.000 im Jahr 2019 angestiegen.1 Erst im September 2022 wurde eine bundesweite Meldepflicht eingeführt. Die Möglichkeit zur elektronischen Meldung von Erregernachweisen gemäß § 7 Abs. 3 IfSG ist aber noch im Aufbau.1 Bisher bereits meldepflichtig allerdings waren auch in Deutschland NG-Infektionen mit verminderter Empfindlichkeit gegenüber Ceftriaxon, Cefixim oder Azithromycin. Und auch deren Zahl nahm in den letzten Jahren zu, wobei von einer Untererfassung ausgegangen wird. Weltweit wird mit Sorge beobachtet, dass es NG-Infektionen gibt, die gegen alle leitliniengerechten Antibiotika resistent und nur mit hohem Aufwand zu behandeln sind.2,3 Die Entwicklung von Antibiotika mit neuem Wirkprinzip ist deshalb international von großer Bedeutung. Eines von ihnen ist der DNA-Gyrasehemmer Zoliflodacin, für den nun die Daten eine Phase-3-Studie publiziert wurden.4
Von Zoliflodacin werde international ein großer Fortschritt in der Behandlung der Gonorrhoe erwartet, heißt es im Kommentar zur Studie.5 Der neue Gyrasehemmer sei hoch effektiv, sicher und als orale Medikation in Einzeldosis sehr unkompliziert anzuwenden.
Das Spiropyrimidinetrion unterscheidet sich von zugelassenen Gyrasehemmern (Chinolone, Fluorochinolone) durch die Aminosäurereste der DNA-Gyrase und Topoisomerase IV, mit denen es in Wechselwirkung tritt. Es sind hochkonservierte DNA-Regionen. Dadurch könnten Resistenzentwicklungen schwieriger werden. In vitro war Zoliflodacin auch gegenüber multiresistenten N. gonorrhoeae und anderen Gram-negativen Problemkeimen wie Acinetobacter baumannii schon in geringen Konzentrationen bakterizid.