Hinter „Kranus Mictera“ steckt ein von einem Expertenteam entwickeltes multimodales Therapieprogramm, das evidenzbasierte Maßnahmen wie Blasentraining, Beckenbodentraining, Mentaltraining, personalisierte Physiotherapie und Miktionstagebuch verknüpft. Bei all diesen Maßnahmen ist die Motivation und die regelmäßige Durchführung von besonderer Bedeutung, was durch die App unterstützt werden soll.
In der
randomisierten kontrollierten Digital Incontinence Study (DINKS) wurde die App jetzt bei 194 Frauen mit Harninkontinenz aus mehreren bundesdeutschen Praxen getestet. Die Frauen waren im Schnitt 50 Jahre alt – 121 litten unter einer Belastungsinkontinenz, 43 unter einer Dranginkontinenz und 30 unter einer Mischinkontinenz. Alle Frauen erhielten eine Standardtherapie, wobei auch eine schon länger als vier Wochen vor der Studie bestehende medikamentöse Therapie erlaubt war. Die Hälfte der Frauen erhielt zusätzlich die App für 12 Wochen.
Nach dieser Zeit war in der Gruppe mit der App die Frequenz der Inkontinenzepisoden im Vergleich zur Ausgangssituation um rund 61 %Prozent zurückgegangen - in der Kontrollgruppe mit alleiniger Standardtherapie nur um 1,7 %. Mit diesem Unterschied von 59,2 % war die vorher festgelegte klinisch relevante Mindestdifferenz von 50 % deutlich überschritten und der Effekt war hochsignifikant (p < 0,0001). Fast jede vierte App-Nutzerin (23 %) war am Ende der Studie nicht mehr harninkontinent, in der Kontrollgruppe wurde dieses Ziel nur von 2 % der Teilnehmerinnen erreicht.
Als mögliche Einschränkungen nennt das Autorenteam die fehlende objektive Messung der Harninkontinenzparameter sowie die Gefahr des Selektionsbias, da der Besitz eines Smartphones und die Bereitschaft zur Anwendung von DiGa Voraussetzungen für die Teilnahme waren.