Schätzungsweise 7 bis 25 % der Weltbevölkerung leiden unter Depressionen und/oder Angststörungen. Neben Psychopharmaka und Psychotherapie wird zur unterstützenden Behandlung auch eine Sport- und Bewegungstherapie empfohlen, mit der sich Symptome abmildern lassen.
Das Team um Neil Richard Munro von der James Cook University in Townsville, Australien, analysierte insgesamt 57 Metaanalysen zu Symptomen einer Depression (ca. 57.900 Personen zwischen 10 und 90 Jahren) und 24 Metaanalysen zu Angststörungen (ca. 19.300 Personen zwischen 18 und 67 Jahren). In den berücksichtigten randomisierten kontrollierten Studien wurde Bewegung entweder mit einer anderen Art von Aktivität, einem Placebo oder keiner aktiven Intervention verglichen. Bei den Studienteilnehmern war eine klinische Depression diagnostiziert worden oder sie hatten depressive Symptome ohne Diagnose.
In dem Review bestätigte sich, dass Bewegung die Symptome von Depressionen und Angststörungen moderat reduzieren kann (standardisierte mittlere Differenz SMD = −0,61 bzw. −0,47). In dem Review wurden darüber hinaus vier Bewegungsgruppen hinsichtlich der Wirksamkeit bei Angst und Depression verglichen: aerobes Training, Krafttraining, Mind-Body-Übungen wie Yoga, Tai Chi und Qigong und eine Mischung der verschiedenen Übungen.
Aerobes Gruppentraining besonders wirksam
Bei Depressionen zeigte ein aerobes Training wie Laufen, Schwimmen, Radfahren oder Tanzen mit einer SMD von -0,81 die größte Wirkung, aber auch die anderen Bewegungsformen waren moderat wirksam. Von besonderem Vorteil erwies sich, wenn die Menschen dem Bewegungsprogramm in einer Gruppe oder unter persönlicher Anleitung nachgingen. Dies unterstreicht laut Aussage des Forschungsteams die wichtige Rolle sozialer Faktoren bei der Sportausübung.
Auch bei der Linderung von Angstsymptomen hatte ein aerobes Training die Nase vorn (SMD -0,60), die anderen Bewegungsarten schnitten aber nur geringfügig schlechter ab.
Wie lange sollte man dabeibleiben?
Zur Reduktion depressiver Symptome hat sich ein langfristiges Training über mindestens 24 Wochen als am effektivsten erwiesen (SMD -1,11). Ob ein- bis zweimal pro Woche oder mehr trainiert wird, scheint dabei keinen wesentlichen Einfluss zu haben. Allerdings zeigt ein Training mit moderater bis hoher Intensität mehr Wirkung als Bewegungsübungen mit geringer Intensität.
Bei Angststörungen zeigten kurzfristige Bewegungsprogramme (bis 8 Wochen) die größte Effektivität (SMD -0,70). Die geringste Intensität war hier mit der stärksten Reduktion von Angstzuständen verbunden.
Wer profitiert am meisten?
Die Symptome von Depression und Angststörungen wurden in allen Altersgruppen durch Sport und Bewegung verbessert.
Bei Depressionen profitierten junge Erwachsene (18 bis 30 Jahre) am meisten (SMD -0,81). Auch bei Frauen mit Depressionen nach einer Geburt erwiesen sich Bewegungsprogrammen als besonders wirksam (SMD -0,70). Angstsymptome wurden in der Gruppe der jungen Erwachsenen ebenfalls am stärksten durch ein körperliches Training gelindert (SMD 0,59).
Umsetzung in den Leitlinien
Das Fazit des Autorenteams: Körperliches Training ist in allen Altersgruppen eine leicht verfügbare und kostengünstige Behandlungsform bei Angst und Depressionen, die ähnlich wirksam ist wie pharmakologische und psychotherapeutische Interventionen. Am erfolgversprechendsten sind gezielte Trainingsprogramme in Gruppen und unter Anleitung, was auch in den Leitlinienempfehlungen umgesetzt werden sollte.