Interview

„Wir unterschätzen das lange Leben – und missverstehen das Alter“

Die Menschen werden heute älter als jede Generation zuvor – und dennoch wird das lange Leben oft als Belastung für Gesellschaft und Sozialsysteme diskutiert. Alternsforscher Prof. Dr. Frieder R. Lang, Leiter des Lehrstuhls für Psychogerontologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), spricht über die Chancen des langen Lebens, gesellschaftliche Missverständnisse und die Frage, was am Ende wirklich zählt.

31.08.2026Lesedauer: ca. 5 MinutenQuelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)
„Wir unterschätzen das lange Leben – und missverstehen das Alter“

Der gesellschaftliche, technische und medizinische Fortschritt hat ein langes Leben möglich und wahrscheinlicher gemacht.

© Getty Images | PIKSEL

Wir werden immer älter – und trotzdem wird die alternde Gesellschaft fast ausschließlich als Problem beschrieben. Warum fällt es uns so schwer, in der steigenden Lebenserwartung einen gesellschaftlichen Erfolg zu sehen?

Erst der gesellschaftliche, technische und medizinische Fortschritt hat ein langes Leben möglich und wahrscheinlicher gemacht. Noch im 19. Jahrhundert konnten Menschen in fast jedem Alter an kleineren Infekten oder Entzündungen versterben. Heute haben wir uns daran gewöhnt, Krankheiten, Sterben und Tod erst nach einem langen Leben zu erfahren. Das trägt zu dem Irrtum bei, dass nur die letzte Lebensphase besonders bedrohliche Gesundheitsrisiken birgt. Diese Risiken haben wir aber tatsächlich in jeder Phase unseres Lebens. Zudem übersehen wir, dass heutzutage trotz chronischer Erkrankungen noch eine gute Lebensqualität möglich ist.
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