Der größte Fehler im Umgang mit potenziellen Essstörungen im Praxisalltag ist schlichtweg, den klinischen Verdacht nicht auszusprechen. Dr. med. Christine Allwang betont hier, wie wichtig es ist, das Thema mutig zu adressieren – selbst auf die Gefahr hin, auf anfängliche Abwehr oder Unmut bei den Patient:innen zu stoßen. Sie thematisiert zudem die Notwendigkeit ärztlicher Beharrlichkeit, um gerade bei regelmäßigen Patient:innenkontakten behutsam am Ball zu bleiben. Darüber hinaus warnt sie eindringlich vor unsensiblen, wertenden oder bagatellisierenden Ratschlägen, wie etwa der Aufforderung, sich doch einfach „zusammenzureißen“. Stattdessen wird ein empathischer Ansatz gefordert, der Essstörungen als schwere, nicht selbst gewählte Erkrankungen begreift, bei denen Betroffene dringend medizinischen Support und keine Vorwürfe benötigen.