Ob Kinder und Jugendliche wie Erwachsene von einer reinen oder überwiegend pflanzlichen Kost profitieren, ist nach wie vor umstritten. Potenzielle Vorteile könnten die geringeren Raten von Übergewicht und bessere Lipidprofile sein – als potenzielle Nachteile werden erhöhte Risiken für einen Mangel an Mikronährstoffen, verminderte Knochengesundheit und Unterernährung angeführt.
Metaanalyse von 59 Studien
In einem
systematischen Review mit Metaanalyse sind Sofia Lotti von der Universität Florenz und ihr Team jetzt der Frage nachgegangen, welche gesundheitlichen Auswirkungen eine lakto-ovo-vegetarische oder vegane Kost bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren hat. In die Auswertung gingen 59 Studien aus 18 Ländern mit 48.626 Kindern ein, von denen sich 7.280 lako-ovo-vegetarisch, 1.289 vegan und 40.059 omnivor ernährten. Die Adhärenz mit der jeweiligen Diätform reichte von einem Monat bis lebenslang.
Bei Vitaminen B12 und D, Calcium, Zink und Jod kann Mangel drohen
Lakto-ovo-vegetarisch ernährte Kinder zeigten im Vergleich zu den Omnivoren eine signifikant geringere Aufnahme von Kalorien, Proteinen und Fetten, blieben damit aber noch im pädiatrischen Referenzbereich. Sie nahmen im Vergleich mehr Kohlenhydrate, Ballaststoffe, ungesättigte Fettsäuren (PUFA), Folsäure, die Vitamine C, E und K, Eisen, Magnesium und Mangan zu sich – dafür weniger Vitamin B3, B12, und D, Zink, Phosphor und Selen. Ausreichende Vitamin-B12-Spiegel konnten nicht ohne Supplemente oder angereicherte Nahrungsmittel erreicht werden. Die Aufnahme von Calcium, Jod und Zink war oft grenzwertig, sodass man diese Mikronährstoffe bei vegetarischer Ernährung im Kindesalter im Auge behalten sollte.
Ein ganz ähnlicher Trend ergab sich auch für eine vegane Ernährung. Besonders kritisch war hier die Aufnahme von Calcium und Vitamin B12, sodass diese Ernährungsform bei Kindern gut geplant werden muss und mit entsprechenden Supplementen einem Mangel entgegengewirkt werden sollte.
Pflanzlich ernährte Kinder etwas kleiner und schlanker
Vegetarisch und vegan ernährte Kinder hatten einen schlankeren Phänotyp. Bei lakto-ovo-vegetarischer Kost fielen eine etwas geringere Körpergröße, ein geringeres Gewicht, geringere BMI-z-Scores, weniger Fettmasse und ein geringerer Knochenmineralgehalt auf. Vegan ernährte Kinder waren vergleichsweise kleiner und hatten einen geringeren BMI-z-Score, was aber alles überwiegend noch im altersgemäßen Referenzbereich blieb.
Bei vegetarisch ernährten Kindern erhöhtes Risiko für Eisenmangel und Anämie
Bei den Biomarkern fielen bei lakto-ovo-vegetarischer Kost niedrigere Spiegel an Ferritin und 25(OH)D auf – bei vegan ernährten Kindern geringere Hämoglobin- und Ferritin-Spiegel. Auch diese Biomarker waren fast alle noch im pädiatrischen Referenzbereich – allerdings hatten lakto-ovo-vegetarisch ernährte Kinder häufiger einen Eisenmangel und eine Anämie und vegan ernährte Kinder häufiger einen Vitamin-B12-Mangel. Gesamtcholesterin- und LDL-Cholesterin-Spiegel waren bei beiden pflanzenbasierten Kostformen deutlich niedriger als bei omnivorer Ernährung.
Unter dem Strich haben Kinder mit vegetarischer oder veganer Ernährung somit ein geringeres Adipositasrisiko und ein günstigeres kardiovaskuläres Profil.
Bei vegan ernährten Kindern auch auf Calcium achten
Man muss aber bei diesen Ernährungsformen ein besonderes Augenmerk auf bestimmte Mikronährstoffe haben und die Eltern entsprechend beraten, betont das Autorenteam. Die Eisenaufnahme ist bei pflanzlicher Kost zwar erhöht, die Ferritinspiegel sind aber eher niedrig. Dies ist auf die schlechtere Bioverfügbarkeit von pflanzlichem Eisen zurückzuführen. Neben Eisen und Vitamin B12 sollten die Spiegel von Calcium (vor allem bei Veganern), Jod und Zink im Auge behalten werden.
Als Limitationen nennen die Autoren u.a., dass es sich überwiegend um Querschnittsstudien handelte, die keine kausalen Schlüsse zulassen. Andere Faktoren wie Lebensstil, sozioökonomischer Status oder Gesundheitsbewusstsein könnten die Ergebnisse beeinflusst haben. Zudem waren die Studien sehr heterogen und die Daten zur Nahrungsaufnahme stammten überwiegend von den Angaben der Eltern. Insbesondere für die vegane Ernährung bleibt die Datenlage für viele Parameter relativ schwach. Wünschenswert wären große prospektive Studien, in denen die Kinder bis zum Erwachsenenalter nachverfolgt werden.