Schon länger wird vermutet, dass Adipositas nicht nur das Risiko für kardiometabolische, onkologische und muskuloskelettale Erkrankungen erhöht, sondern auch direkt in den biologischen Alterungsprozess eingreift. Viele der typischen Folgen des Alterns – wie Sarkopenie, Atherosklerose, Insulinresistenz oder eine nachlassende Immunantwort – treten bei adipösen Menschen früher auf.
In den letzten Jahren wurden zudem mehrere molekulare Marker des Alterns identifiziert, die auch in Zusammenhang mit Adipositas stehen, darunter chronische Entzündungen, mitochondriale Dysfunktion und gestörte Zellkommunikation.
Warnung vor kollektiver biologischer Frühalterung
„Mit schätzungsweise 1 Milliarde Menschen mit Adipositas bis 2030 nähern wir uns einer Zukunft, in der die Weltbevölkerung physiologisch älter sein könnte, als es die demografischen Daten vermuten lassen“, schreiben die Studienautoren um Dr. Paulina Correa-Burrows1 vom Institut für Ernährung und Lebensmitteltechnologie der Universität Chile in Santiago, Chile. Die chronische Adipositasexposition könnte dazu führen, dass junge Erwachsene schneller altern, als biologisch zu erwarten ist.
Ob sich diese Hypothese belegen lässt, untersuchte
das Team anhand von Daten der Santiago Longitudinal Study, einer seit 1992 laufenden chilenischen Geburtskohorte. In die aktuelle Analyse wurden 205 junge Erwachsene im Alter von 28 bis 31 Jahren eingeschlossen. In der Stichprobe waren 43 % zeitlebens normalgewichtig, 21 % seit der Jugend adipös (im Schnitt 13 Jahre) und 36 % bereits seit der frühen Kindheit (im Schnitt 27 Jahre).
Primäre Endpunkte der Studie waren das epigenetische Alter (ermittelt über die Methylierungsuhren Horvath und GrimAge) sowie die Telomerlänge. Sekundär analysierten die Forschenden inflammatorische Zytokine, Wachstumsfaktoren und Adipomyokine, die mit dem Alterungsprozess in Verbindung stehen.
Epigenetik und Telomere bestätigen schnellere Alterung
In beiden Gruppen mit Langzeitadipositas lag das epigenetische Alter signifikant über dem tatsächlichen Alter – im Mittel um 15 bis 16 %, bei einzelnen Teilnehmenden sogar um bis zu 48 %. Während die epigenetischen Uhren bei normalgewichtigen Personen ein Alter von 26 bis 28 Jahren anzeigten – was etwa dem chronologischen Wert entsprach –, rückte der Zeiger bei den langfristig Adipösen bis auf 32 bis 35 Jahre vor.
Auch die Telomere waren bei Personen mit seit Kindheit oder Jugend bestehender Adipositas signifikant kürzer. Die Effektstärken für epigenetisches Alter und Telomerlänge lagen im hohen Bereich (Cohen’s f 0,65–0,81).