Wachsender Reisedrang
Urlaubsreisen sind für viele Familien ein fester Bestandteil des Lebensstils. Jährlich unternehmen Reisende aus Deutschland rund 70 Millionen Urlaubsreisen, wobei etwa 19 % auf Familien mit Kindern bis 13 Jahren entfallen. Fernreisen außerhalb Europas gewinnen dabei auch bei jungen Familien zunehmend an Bedeutung. Beobachtungen aus reisemedizinischen Kliniken zeigen, dass bei Kindern nach Auslandsaufenthalten vor allem Durchfallerkrankungen, Hautinfektionen und fieberhafte Infekte diagnostiziert werden. Deshalb sollten Eltern unbedingt an eine kindgerechte Reiseapotheke denken (z. B. Antipyretika, Fieberthermometer, Vomex, Verbandsmaterial und alkoholfreies Desinfektionsmittel).
Malaria: Hohes Risiko für kleine Kinder
Bei Reisen in Malaria-Endemiegebiete stellt die Erkrankung weiterhin ein zentrales Risiko dar. Weltweit erkranken jährlich etwa 250 Millionen Menschen an Malaria, rund 600.000 sterben daran. Den größten Anteil der Todesfälle stellen Kinder unter fünf Jahren. Besonders häufig tritt die durch Plasmodium falciparum verursachte Malaria tropica in Subsahara-Afrika auf, sie kommt jedoch auch in Teilen Südostasiens und Südamerikas vor. Kinder entwickeln schwere Krankheitsverläufe häufig schneller als Erwachsene. Reisemedizinische Fachgesellschaften raten deshalb grundsätzlich davon ab, mit Säuglingen oder sehr kleinen Kindern in Regionen mit hoher Malariaübertragung zu reisen.
Unspezifische Symptome erschweren die Diagnose
Die klinische Diagnose einer Malaria kann bei Kindern schwierig sein, weil die Symptomatik häufig unspezifisch bleibt. Neben Fieber werden nicht selten Husten, Bauchschmerzen oder Durchfälle beobachtet. Auch neurologische Manifestationen wie Krampfanfälle können auftreten. In der Praxis gilt deshalb eine wichtige Grundregel der Reisemedizin: Bei jedem fieberhaften Infekt nach Aufenthalt in einem Malaria-Risikogebiet muss eine Malaria umgehend diagnostisch ausgeschlossen werden.
Parasitäre Erkrankungen und Hautparasitosen
Kinder haben aufgrund ihres Spiel- und Explorationsverhaltens ein erhöhtes Risiko für bestimmte parasitäre Infektionen. Beim Spielen mit engem Bodenkontakt kann es leichter zu einer Exposition gegenüber infektiösen Stadien verschiedener Parasiten kommen. Zu den häufigen Ursachen von Durchfallerkrankungen nach Fernreisen gehört die Giardiasis. Der Protozoon Giardia lamblia wird meist über kontaminiertes Trinkwasser oder Lebensmittel übertragen.
Kutane Larva migrans und andere Parasitosen
Auch Hautparasitosen kommen bei Reisenden vor. Typisch ist die sogenannte kutane Larva migrans, bei der Larven tierischer Hakenwürmer aus mit Tierkot kontaminiertem Sand in die Haut eindringen. Klinisch zeigen sich stark juckende, geschlängelte Hautgänge. Zur Prävention sollten Kinder an tropischen Stränden möglichst nicht barfuß laufen, beim Spielen im Sand auf eine Unterlage achten, nicht buddeln und nicht direkt auf dem Sand liegen.
Ein weiteres relevantes Risiko stellt die Schistosomiasis dar. Die Larven der Schistosomen können beim Baden in kontaminierten Süßgewässern aktiv die Haut durchdringen und Harnblase, Dick- und Dünndarm befallen.
Tollwut: Selten, aber nahezu immer tödlich
Während die Tollwut in Deutschland als eliminiert gilt, kommt die Erkrankung in vielen Regionen Afrikas und Asiens weiterhin vor. Kinder sind besonders gefährdet, da sie häufiger engen Kontakt zu Tieren suchen und Warnsignale von Hunden oder anderen Säugetieren schlechter einschätzen können. Nach Ausbruch der klinischen Symptomatik verläuft die Erkrankung nahezu immer tödlich.
Prophylaktische Impfung
In vielen Reiseländern ist zudem modernes Tollwut-Immunglobulin für die Postexpositionsprophylaxe nur eingeschränkt verfügbar. Vor diesem Hintergrund wird bei Reisen in entsprechende Risikogebiete häufig eine präexpositionelle Tollwutimpfung empfohlen, insbesondere bei längeren Aufenthalten oder bei zu erwartendem Tierkontakt. Diese Impfung wird auch von Kindern gut vertragen.
Sonnen- und Mückenschutzmittel
Bei der Kombination von Sonnenschutzmitteln und Insektenrepellents ist auch bei Kindern die Reihenfolge der Anwendung relevant. Zunächst sollte der Sonnenschutz großzügig aufgetragen werden. Nach etwa 20 Minuten kann anschließend ein Repellent auf die exponierten Hautareale appliziert werden. Wirkstoffe wie DEET können den Lichtschutzfaktor von Sonnenschutzmitteln reduzieren; daher empfiehlt sich ein ausreichend hoher Lichtschutzfaktor und ein sorgfältiges Nachcremen, insbesondere nach dem Baden. Da viele Repellents nicht wasserfest sind, müssen sie danach erneut aufgetragen werden.
Mückenschutz für Kinder
Icaridin wird in der Regel erst ab einem Alter von etwa zwei Jahren empfohlen (Herstellerangaben beachten). DEET sollte bei sehr kleinen Kindern zurückhaltend eingesetzt werden; viele Empfehlungen sehen eine Anwendung erst ab dem zweiten Lebensjahr vor. Bei Säuglingen steht der mechanische Schutz im Vordergrund, etwa durch Moskitonetze, lange helle Kleidung und stichfeste Stoffe.
Familiärer Stressfaktor
Psychologisch stellt eine Fernreise Eltern oft vor ungeahnte Herausforderungen. Im modernen Alltag ist die gemeinsame Zeit häufig auf wenige Stunden begrenzt. Die plötzliche 24-Stunden-Betreuung der Kinder im Urlaub, oft ohne die gewohnte Infrastruktur wie Kindertagesstätten, kann zu Überforderung führen. Eine realistische Erwartungshaltung und die Planung kindgerechter Pausen sind hier essenziell.