Obwohl die Empfehlung zur alleinigen Herzdruckmassage (CO-CRP für „compression only“ kardiopulmonale Reanimation) eigentlich nur für Erwachsenen mit einem Herzstillstand gilt, wird von Laienhelfern zunehmend auch bei Kindern mit Kreislaufstillstand auf die Beatmung verzichtet. Dies kann sich insbesondere nach Ertrinkungsunfällen negativ auf Überleben und neurologische Prognose auswirken, da hier die Hypoxie dem Kreislaufstillstand vorausgeht und die rasche Reoxygenierung im Vordergrund steht.
Immer häufiger alleinige Herzmassage auch bei ertrunkenen Kindern
Die japanische Arbeitsgruppe um
Takafumi Obara vo der Universität Okayama hat jetzt untersucht, wie sich die Praxis der Wiederbelebungsversuche nach Ertrinkungsunfällen mit Herz-Kreislauf-Stillstand bei Kindern und Jugendlichen zwischen 2012 und 2023 verändert und welchen Einfluss die durchgeführten Maßnahmen auf die Prognose haben.
In die Studie gingen die Fälle von 740 Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahre ein, die nach einem Ertrinkungsunfällen von Laien reanimiert worden waren. Bei 41,6 % umfassten die Wiederbelebungsmaßnahmen auch eine Beatmung (RB-CRP für „rescue breathing“), 58,4 % erhielten nur eine Herzdruckmassage. Dabei nahm der Anteil der RB-CRP im Lauf der Jahre deutlich ab: 2012 lag er noch bei 45 %, nach 2020 sank er auf rund 30 %. Beatmete Kinder waren im Durchschnitt jünger und es waren bei der Wiederbelebung häufiger Zeugen oder Familienangehörige anwesend.
Höhere Mortalität und schlechteres neurologisches Outcome bei Verzicht auf Beatmung
Unter alleiniger Herzdruckmassage kam es deutliche seltener (um 22 %) zu einer Rückkehr des Spontankreislaufes (ROSC). Die 30-Tage-Mortalität lag hier bei 67,6% im Vergleich zu 41,2 % bei zusätzlicher Beatmung (adjustierter Risikoanstieg von 38 %) Auch ungünstige neurologische Ergebnisse nach 30 Tagen traten unter CO-CPR mit 79,9 % deutlich häufiger auf als unter RB-CPR mit 51,3% (aRR: 1,33). Diese Zusammenhänge zeigten sich konsistent in beiden untersuchten Zeiträumen (2012–2017 vs. 2018–2023).
Vor allem bei kleinen Kindern Beatmung essenziell
Die Nachteile der CO-CRP zeigten sich insbesondere bei kleinen Kindern im Alter von 1 – 7 Jahren. Hier war die 30-Tages-Sterblichkeit mit einem aRR von 1,86 deutlich erhöht. Auch in den übrigen Altersgruppen zeigte sich eine Tendenz zu ungünstigeren Ergebnissen unter CO-CPR, die Unterschiede waren jedoch nicht statistisch war. Bei unbeobachteten Ertrinkungsunfällen war der Effekt ebenfalls besonders deutlich: In diesen Fällen erhöhte CO-CPR das Sterberisiko signifikant (aRR: 1,32), während die Unterschiede bei beobachteten Ertrinkungsunfällen keine statistische Signifikanz erreichten.
Die Ergebnisse spiegeln die zentrale Bedeutung der Beatmung bei einer Wiederbelebung nach asphyxialen Herzstillständen wider, bei denen wie beim Ertrinken der Kreislaufkollaps auf einen Sauerstoffmangel folgt, so das Autorenteam. Das gilt insbesondere bei kleinen Kindern. Offensichtlich hat aber die Propagierung der reinen Herzdruckmassage als Wiederbelebungsmaßnahme durch Laienhelfer dazu geführt, dass auch bei Ertrinkungsunfällen fälschlicherweise auf die Beatmung verzichtet wird.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass die richtigen Erstmaßnahmen nach der Bergung ertrunkener Kinder und Jugendlicher breiter in der Öffentlichkeit verankert werden müssen. Insbesondere Eltern und Betreuende von Kleinkindern und die Bevölkerung in Gegenden mit häufigen Ertrinkungsunfällen sollten hier besser geschult werden.
Limitationen
Als Limitationen nennt das Autorenteam u.a. fehlende Angaben zur Art des Gewässers, zur Wassertemperatur sowie zur Dauer der Untertauchphase. Auch andere Einflussfaktoren wie Unfallhergang, Qualität der Reanimation oder die Zeit bis zum Beginn der CPR wurden nicht erfasst, was die Ergebnisse verzerrt haben könnte. Zudem wurden ausschließlich Fälle berücksichtigt, in denen Laien überhaupt Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet hatten – was ohne solche Maßnahme passiert wäre, bleibt offen.