Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist in Deutschland die mit Abstand häufigste Ursache für schwere Sehbehinderungen bis hin zur Erblindung. Während die feuchte Form einer antiangiogenetischen Therapie zugänglich ist, gibt es derzeit keine in Europa zugelassene Therapie für die trockene Spätform, die geographische Atrophie (GA). Bei einem Drittel der Augen mit fortgeschrittener AMD handelt es sich aber um eine solche chronisch progrediente GA. Typischerweise entstehen scharf begrenzte Atrophieareale der Netzhaut im Bereich des schärfsten Sehens (Makula) durch Untergang der äußeren Netzhaut-Schichten – inklusive Photorezeptoren.
Ein innovatives, subretinales Mikrochip-Implantat ermöglicht erstmals die partielle Wiederherstellung des zentralen Sehens bei Betroffenen, so das Ergebnis einer aktuellen, prospektiven, klinischen Multi-Center-Studie.
In der gesunden Retina transformieren Photorezeptoren einfallendes Licht in elektrische Signale, die dann über nachgeschaltete Neurone der inneren Netzhautschichten und schließlich über den N. opticus an das Gehirn weitergeleitet werden. Bei GA entstehen aufgrund der fehlenden Rezeptoren im Atrophieareal keine elektrischen Signale. Ein zentrales absolutes Skotom ist die Folge. Das Photovoltaic Retina Implant Microarray (PRIMA) System wurde entwickelt, um die fehlenden Photorezeptoren zu ersetzen.
Ein 2x2 mm großes und 30 µm dünnes, kabelloses Mikro-Implantat mit 378 photovoltaischen Pixeln wird subretinal im Bereich des zentralen Atrophieareals implantiert. Bilder können dann mit Hilfe einer Brille mit integrierter Kamera erfasst, bearbeitet und mittels Nah-Infrarot-Licht kabellos an das intraokulare Implantat projiziert werden. Dort konvertieren die Pixel dieses Licht in elektrische Impulse, um die Bipolarzellen der Retina zu stimulieren. Visuelle Informationen können somit wieder in Richtung Gehirn weitergeleitet werden.
Im Rahmen einer aktuellen Studie an 17 europäischen Zentren, erhielten 38 Personen mit GA aufgrund einer trockenen AMD ein subretinales PRIMA-Implantat. Voraussetzung für die Studienteilnahme war ein erhaltener Restvisus von mindestens 1,2 logMAR (entspricht einem Dezimalvisus von 0,063). Auf die operative Implantation des subretinalen Chips folgte ein intensives Sehtraining mit dem PRIMA-System. Über 12 Monate ließen sich 32 Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer nachverfolgen, denn 3 verstarben, 1 zog seine Studienteilnahme zurück und 2 konnten nicht getestet werden.
Unter allen nachuntersuchten Studienteilnehmenden kam es bei 26 Personen (81%) zu klinisch signifikanten Visusgewinnen, definiert als Visusanstieg zwischen Baseline und Monat 12 von wenigstens 0,2 logMAR (entspricht zwei Zeilen). Der periphere Visus nach Implantation war unverändert im Vergleich zur Baseline. Insgesamt 26 schwerwiegende Komplikationen wie Augeninnendruckanstiege, Netzhaut-Foramina und Netzhaut -Hämorhagien wurden beobachtet, von denen 80 % während der ersten 2 Monate postoperativ auftraten und von denen 95 % innerhalb von 2 Monaten abklangen.