Die Gonorrhö gehört zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen. Der bakterielle Erreger, Neisseria gonorrhoeae, wird durch direkten Schleimhautkontakt (z. B. Geschlechtsverkehr) übertragen. Bei Erwachsenen befällt er meist die Schleimhäute von Harn- und Geschlechtsorganen. Bei Neugeborenen kann eine Infektion während der Geburt durch den infizierten Genitaltrakt der Mutter erfolgen.
Eine Gonokokken-Infektion am Auge wird als Gonoblennorrhö oder Gonokokken-Konjunktivitis bezeichnet. Aufgrund der Seltenheit dieser Manifestation, besteht die Herausforderung in einer frühzeitigen Diagnosestellung, um rechtzeitig eine zielgerichtete antibiotische Therapie einzuleiten. Die größte Gefahr der Gonoblennorrhö ist eine oft rasche Entwicklung von Hornhautulzerationen mit nachfolgenden Hornhautnarben und möglicher Perforation. In Schwellenländern stellt die Erkrankung daher eine häufige Erblindungsursache dar, kann aber auch hierzulande schwere Folgen haben, wie eine Kasuistik aus der Universitäts-Augenklinik Regensburg zeigt. 1
Aus der Universitäts-Augenklinik Regensburg wurde von einer 19-jährigen Patientin berichtet, die unter einer beidseitigen, seit einer Woche bestehenden, progredienten Konjunktivitis litt. Eine extern eingeleitete Lokaltherapie mit Ofloxacin, Gentamicin und Dexamethason-Augentropfen (AT) hatte keine Besserung erbracht. Aufgrund einer massiven Lidschwellung, konnte der Visus nur unkorrigiert mit beidseits 0,3 erhoben werden und eine Beurteilung der vorderen Augenabschnitte war nur eingeschränkt möglich. Purulentes Sekret sowie eine Chemosis waren in der Spaltlampenmikroskopie sichtbar. Ein Bindehautabstrich zeigte gramnegative Kokken und erhärtete den Verdacht auf eine Gonokokken-Konjunktivitis, so dass eine antibiotische Therapie eingeleitet wurde.
Im weiteren Verlauf wurde der Bindehautabstrich mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) nachuntersucht und der Nachweis von Neisseria gonorrhoeae mikrobiologisch bestätigt. Es erfolgte eine Meldung an das Robert Koch-Institut (RKI), wo in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme an Gonokokken-Infektionen verzeichnet wurde.
Ist die Diagnose einer Gonoblennorrhö erst einmal gestellt, so ist die
Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) bei der Therapie sehr hilfreich. Die beschriebene Patientin erhielt entsprechend eine 3-tägige intravenöse Gabe von Ceftriaxon 2 g und eine 1-malige orale Gabe von Azithromycin 1,5 g. Die Lokaltherapie wurde auf Moxifloxacin-AT und Azithromycin-AT umgestellt.
Nach einem Rückgang der Entzündungszeichen mit Abnahme der Lidschwellung wurden an beiden Hornhäuten Randfurchenulzera von 10 bis 2 Uhr mit stromaler Einschmelzung sichtbar. Die Ausdünnungen betrugen in der optischen Kohärenztomographie (OCT) < 180 μm am rechten und < 260 μm am linken Auge. Daraufhin wurde die Therapie um eine orale Prednisolon-Gabe von 50 mg 1x tgl. erweitert und später um Doxycyclin 40 mg 1x tgl. sowie Dexamethason-AT 1x tgl. ergänzt. Steroide können bei kornealen Einschmelzungen, die im Zusammenhang mit einer reaktiven Immunantwort stehen, hilfreich sein.
Im weiteren Verlauf kam es zur langsamen Reepithelialisierung der Substanzdefekte und einer deutlichen Dickenzunahme der Hornhäute, so dass Steroide und Antibiotika ausgeschlichen bzw. abgesetzt werden konnten. Der bestkorrigierte Visus betrug bei der letztmaligen Vorstellung beidseits 1,0.