Bei Patientinnen und Patienten mit einer frühen oder intermediären nicht-neovaskulären altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) war eine Exposition gegenüber Levodopa mit einem signifikant reduzierten Risiko für die Konversion zur neovaskulären AMD über einen Zeitraum von 5 Jahren assoziiert. Eine Exposition gegenüber Dopaminagonisten oder Dopamin-D2-Rezeptoragonisten zeigte hingegen keinen signifikanten Zusammenhang.
Die
retrospektive Studie wurde von Kyle S. Chan, MD, aus der Abteilung für Ophthalmologie der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago geleitet. Sie wurde am 8. Dezember 2025 online in Ophthalmology Retina veröffentlicht.
1Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber Levodopa, Dopaminagonisten und Dopamin-D2-Rezeptoragonisten (z. B. Pramipexol und Piribedil) und dem Neuauftreten einer neovaskulären AMD. Für diese Analyse augenärztlich behandelter Patientinnen und Patienten wurde eine ophthalmologische Datenbank verwendet. Eingeschlossen waren Personen mit einer intermediären nicht-neovaskulären AMD in mindestens einem Auge. Daneben wurden auch Patientinnen und Patienten mit einer frühen oder intermediären nicht-neovaskulären AMD im Partnerauge berücksichtigt.
Verglichen wurden Augen ohne Exposition gegenüber Dopaminagonisten mit Augen, die einer Therapie mit Dopaminagonisten, Dopamin-D2-Rezeptoragonisten oder Levodopa ausgesetzt waren. Augen mit einer neu begonnenen Therapie mit Levodopa oder Dopamin-D2-Rezeptoragonisten nach Diagnosestellung wurden ausgeschlossen. Zur Kontrolle von Störfaktoren wurde ein Propensity-Score-Matching durchgeführt, wodurch folgende Gruppen entstanden:
Eine Exposition gegenüber Levodopa war mit einer um 47 % reduzierten Wahrscheinlichkeit für die Konversion zur neovaskulären AMD innerhalb von 5 Jahren assoziiert (adjustierte Hazard Ratio 0,53; p = 0,028). Für eine Exposition gegenüber Dopaminagonisten insgesamt oder gegenüber Dopamin-D2-Rezeptoragonisten zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang mit der Entwicklung einer neovaskulären AMD. Ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer neovaskulären AMD bestand bei höherem Lebensalter (≥ 70 bzw. ≥ 75 Jahre), bei bereits bestehender neovaskulärer AMD im Partnerauge sowie bei einem intermediären Stadium der AMD.
Laut der Autorinnen und Autoren der Studie bestätigen diese Ergebnisse das Potenzial von L-DOPA [Levodopa] als therapeutische Option für die Progressionsverhinderung zur neovaskulären AMD. Limitiert werden die Ergebnisse durch das Fehlen von Fundusfotografien, optischer Kohärenztomografie (OCT) und Fundusautofluoreszenz, was die Validierung der AMD-Diagnosen einschränkte. Der Fokus auf das intermediäre Stadium der AMD führte zum Ausschluss vieler Patientinnen und Patienten mit frühen Krankheitsstadien in beiden Augen. Zudem könnten Patientinnen und Patienten, die Dopaminagonisten zur Behandlung des Morbus Parkinson erhielten, aufgrund krankheitsbedingter Komorbiditäten oder Mortalität im Follow-up verloren gegangen sein.
Die Studie wurde durch ein Forschungsstipendium der Illinois Society for the Prevention of Blindness sowie durch eine uneingeschränkte Förderung von Research to Prevent Blindness unterstützt. Ein Autor gab Beratertätigkeiten für Genentech und Line 6 Biotechnology sowie Forschungsförderung durch Therini Bio an.
Dieser Beitrag erschien im Original auf
Medscape.com.