Bei Keratokonus kommt es zu einer kegelförmigen Vorwölbung der Kornea, die mit einer parazentralen Verdünnung an der Kegelspitze einher geht. Ursächlich hierfür scheint eine Instabilität des Hornhaut-Stromas durch eine Störung der Verbindung von Kollagenfasern zu sein. Die zunehmende Verformung der Kornea führt zu einer oft progredienten Myopisierung (Kurzsichtigkeit) mit irregulärem Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) der meist jungen Patienten. Die Erkrankung beginnt typischerweise in der Pubertät, tritt beidseitig asymmetrisch auf und schreitet bis zum 3. oder 4. Lebensjahrzehnt fort.1
Stadiengerechte Therapie des Keratokonus
Die Therapie eines Keratokonus erfolgt stadienabhängig. Sowohl die Myopie als auch der reguläre Anteil des Astigmatismus können zunächst oft mit Brille ausgeglichen werden. Bessere Visusergebnisse liefern meist formstabile, sauerstoffdurchlässige Kontaktlinsen. Zu beachten ist, dass eine Kontaktlinsenanpassung bei Keratokonus-Patienten sehr anspruchsvoll ist und spezielle Erfahrung auf dem Gebiet voraussetzt.
Operative Therapieoptionen, insbesondere in fortgeschrittenen Stadien, sind die Implantation intrastromaler Ringsegmente bei Kontaktlinsenintoleranz, herabgesetztem Visus und klarer zentraler Hornhaut oder als Ultima Ratio eine tiefe anteriore lamelläre oder durchgreifende Hornhauttransplantation.
Wenn ein Keratokonus sich im Verlauf als progredient herausstellt, empfiehlt sich grundsätzlich ein Riboflavin-UVA-Crosslinking (Hornhautversteifung). Bei dieser Methode werden Kollagenfasern im kornealen Stroma durch Riboflavin und unter Einwirkung von UVA-Licht vernetzt, um deren Stabilität zu verbessern.
Stabilisierung der Kornea durch Riboflavin-UVA-Crosslinking3
Die Kriterien für eine UV-Vernetzung mit Riboflavin bei Keratokonus werden vom Gemeinsamen Bundesausschuss klar definiert:
- Die Hornhautvernetzung darf erbracht werden bei Patientinnen und Patienten mit Keratokonus und subjektiver Sehverschlechterung.
- Die mittels Hornhauttomographie bestimmte Hornhautdicke an der dünnsten Stelle bei Beginn der Bestrahlung muss mindestens 400 μm betragen.
Zudem soll innerhalb der letzten 12 Monate vor Indikationsstellung zur Hornhautvernetzung eine Progredienz anhand mindestens eines der folgenden Kriterien festgestellt werden:
- Zunahme der maximalen Hornhautbrechkraft um ≥ 1 dpt
- Zunahme des durch die subjektive Refraktion bestimmten Astigmatismus um ≥ 1 dpt
- Abnahme der Basiskurve der bestsitzenden Kontaktlinse um ≥ 0,1 mm
Der Nachweis einer solchen Keratokonus-Progredienz wird im klinischen Alltag durch standardisierte Untersuchungen erbracht, indem die Untersuchungsergebnisse im Verlauf miteinander verglichen werden.
Behandlungsbedürftige Patienten mit KI identifizieren4
Eine Verlaufsbeobachtung über mindestens 12 Monate ist demnach zwingend erforderlich, um die Progression eines Keratokonus zu diagnostizieren und als Konsequenz ein Crosslinking zu indizieren. Sind moderne KI-Algorithmen in der Lage eine Keratokonus-Progression zu prognostizieren?
Ein aktuelles Review untersuchte 10 diesbezügliche Studien mit insgesamt 10.940 betroffenen Augen. Übereinstimmend wurden folgende Parameter als prognostisch besonders relevant eingestuft:
- Elevation der Hornhautrückfläche
- Kmax-Wert (steilste Stelle der Hornhautvorderfläche)
- Geringes Lebensalter
Die Forschenden bewerteten die Diskriminationsfähigkeit der untersuchten Prognosemodelle als mittel bis hoch (area under the curve zwischen 0.77 bis 0.93) und halten deren klinische Anwendung grundsätzlich für erfolgsversprechend. Bevor eine Integration in die klinische Routine möglich sei, fordern sie multizentrische, prospektive Validierungsstudien mit standardisierten Definitionen sowie plattformunabhängige KI-Algorithmen.