Sowohl die AMD als auch die Katarakt (Linsentrübung) sind häufige Augenerkrankungen im fortgeschrittenen Lebensalter und entsprechend hoch ist die Wahrscheinlichkeit für ein gleichzeitiges Auftreten. Für die trockene Form der AMD gibt es in Deutschland derzeit keine zugelassene Therapie.
Die feuchte AMD kann jedoch mit Anti-VEGF-Medikamenten aufgehalten werden, die regelmäßig in den Glaskörper injiziert werden. Jährlich erfolgen circa 1,5 Mio. solcher intravitrealer operativer Medikamenteneingaben (IVOM). Die Katarakt-OP, also der operative Austausch der getrübten, natürlichen Linse gegen eine klare Kunstlinse, liegt bei über 1 Mio. Eingriffen pro Jahr.
Für Betroffene sowie ihre Ärztinnen und Ärzte stellt sich die entscheidende Frage: Kann eine Katarakt-OP die AMD negativ beeinflussen? Diesbezüglich sei die Verunsicherung groß, schilderte Prof. Dr. Amelie Pielen (Nürnberg) und nutzte den diesjährigen Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG 2025) in Berlin, um die Frage mit Hilfe aktueller Studiendaten klar zu beantworten.1
„AMD-Erkrankte sollten unbedingt eine Grauer-Star-Operation erhalten, wenn sich das Sehvermögen durch die Linsentrübung verschlechtert“, so lautete die eindeutige Empfehlung von Prof. Pielen. Die Studienlage sei eindeutig: durch eine Katarakt-OP kam es zu keiner Verschlechterung einer vorbestehenden AMD. Auch die Konversionsrate von einer trockenen AMD hin zur feuchten Form war nicht erhöht.
„Neue Studien aus Japan, Finnland und Deutschland kamen zu dem Ergebnis, dass sich das Sehvermögen nach dem Linsenaustausch signifikant und anhaltend verbesserte“, betonte Prof. Pielen. Außerdem ermögliche eine klare Linse einen besseren Einblick auf die Netzhaut und vereinfache somit das Monitoring der AMD – während gleichzeitig für die Patientinnen und Patienten „der Schleier gehoben wird und die Sehschärfe ansteigt.“
Bei der Frage, welche Kunstlinse bei bestehender AMD implantiert werden sollte, ist die Datenlage sehr begrenzt. Insbesondere über neue Linsentypen, wie beispielsweise Multifokallinsen, existieren nur wenige Daten. Diese Speziallinsen dienen der Presbyopie-Korrektur und sind typischerweise trifokal, bilden also in drei Entfernungen ab – Ferne, Nähe und Intermediär Bereich. Entsprechend müsse die visuelle Information auf drei Entfernungen aufgeteilt werden, erklärte Prof. Pielen.
Sie, als Expertin, sei sehr zurückhaltend mit der Indikation solcher Linsen bei Patientinnen und Patienten mit Netzhauterkrankungen. Monofokallinsen böten eine gute Abbildungsqualität bei hohem Kontrast, so dass dieser klassische Linsentyp ihre klare Empfehlung sei.
Von einer gleichzeitigen Medikamenteneingabe während der Katarakt-OP rät die Expertin ab und empfiehlt die Prozeduren immer getrennt vorzunehmen. Auf keinen Fall solle prophylaktisch mit IVOM behandelt werden.