Für die retrospektive Kohortenstudie wurden Daten von 319.638 Teilnehmenden aus der UK Biobank (mittleres Alter 56,3 Jahre; 51,7 % Frauen) analysiert, die zu Studienbeginn keine AMD aufwiesen. Die Rekrutierung erfolgte zwischen 2006 und 2010 an verschiedenen Standorten im Vereinigten Königreich.
Die Studie wurde von Fengyue Wu und Kun Xu vom Shengjing Hospital der China Medical University in Shenyang, China, geleitet und am 22. Januar 2026 online im
American Journal of Ophthalmology veröffentlicht.
1Klassifikation des CKM-Syndroms und genetische Risikobewertung
Die Teilnehmenden wurden anhand angepasster Kriterien der American Heart Association in die Stadien 0 bis 4 des CKM-Syndroms eingeteilt. Diese Klassifikation berücksichtigte metabolische Risikofaktoren, das Vorliegen einer chronischen Nierenerkrankung, das kardiovaskuläre Risiko sowie bereits bestehende kardiovaskuläre Erkrankungen. Für die Zuordnung zu Stadium 0 war ein Body-Mass-Index (BMI) zwischen 18,5 und 24,9 kg/m² sowie ein Taillenumfang unter 88 cm bei Frauen bzw. unter 102 cm bei Männern erforderlich, ohne weitere Risikofaktoren.
Zur Bestimmung der genetischen Prädisposition für AMD wurde ein polygenetischer Risikoscore berechnet, anhand dessen die Teilnehmenden in Gruppen mit niedriger oder hoher genetischer Veranlagung eingeteilt wurden.
Zentrale Studienergebnisse
Eine Verschlechterung des CKM-Syndroms war mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD) assoziiert. Insbesondere war Stadium 4 der Erkrankung mit einem um 48 % höheren Risiko für die Netzhauterkrankung verbunden als Stadium 0. Das genetische Risiko für AMD schien diesen Zusammenhang jedoch nicht wesentlich zu beeinflussen.
Nachbeobachtung und Erfassung der Endpunkte
Die Nachbeobachtungszeit betrug im Median 12,5 Jahre. Diagnosen einer AMD wurden anhand von Krankenhausakten, Sterberegistern und Selbstangaben identifiziert.
In diesem Zeitraum entwickelten 4.982 Teilnehmende (1,56 %) eine AMD. Fortgeschrittene Stadien des CKM-Syndroms waren im Vergleich zu Stadium 0 mit einem erhöhten Risiko für AMD assoziiert. Die adjustierten Hazard Ratios (aHR) betrugen
- 1,15 (95 %-Konfidenzintervall [KI] 1,02–1,30) für Stadium 1,
- 1,25 (95 %-KI 1,13–1,38) für Stadium 2,
- 1,22 (95 %-KI 1,08–1,38) für Stadium 3 und
- 1,48 (95 %-KI 1,30–1,68) für Stadium 4.
Mit jedem Anstieg um ein Stadium stieg das Risiko für AMD um etwa 9 %.
Rolle der genetischen Prädisposition
Ein hoher polygenetischer Risikoscore war mit einem um 70 % erhöhten Risiko für AMD verbunden. Eine signifikante Interaktion zwischen genetischer Prädisposition und den Stadien des CKM-Syndroms wurde jedoch nicht beobachtet. Die höchste Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer AMD zeigte sich bei Personen mit CKM-Syndrom im Stadium 4 und gleichzeitig hoher genetischer Prädisposition im Vergleich zu Personen mit Stadium 0 und niedriger genetischer Prädisposition.
Bedeutung für die klinische Praxis
Die Autorinnen und Autoren betonen, dass zwar keine signifikante Wechselwirkung zwischen CKM-Syndrom und genetischer Veranlagung hinsichtlich des Auftretens einer AMD festgestellt wurde, kombinierte Analysen jedoch das höchste Risiko bei Personen mit CKM-Stadium 4 und hoher genetischer Prädisposition zeigten. Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung eines routinemäßigen Screenings sowie einer konsequenten Behandlung des CKM-Syndroms – unabhängig von der genetischen Veranlagung.
Limitationen der Studie
Zu den Limitationen der Studie zählt ihr beobachtendes Studiendesign, das keinen kausalen Zusammenhang zwischen CKM-Syndrom und AMD nachweisen kann. Zudem bestand die Studienpopulation überwiegend aus weißen Teilnehmenden aus vergleichsweise gesunden und sozioökonomisch besser gestellten Bevölkerungsgruppen, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse einschränken könnte. Die AMD-Diagnosen basierten auf Registerdaten, Krankenakten und Selbstangaben, wodurch möglicherweise einzelne Fälle übersehen wurden und ein Recall-Bias nicht ausgeschlossen werden kann.
Quelle und Finanzierung
Die Studie wurde durch das Liaoning Provincial Science and Technology Plan Joint Program gefördert. Finanzielle Interessenkonflikte wurden von den Autorinnen und Autoren nicht angegeben.
Dieser Beitrag erschien im Original auf Medscape.com.