Auf dem diesjährigen ESMO-Kongress gaben 4 Expertinnen und Experten Einblicke in aktuelle Lücken sowie neue Innovationen bei der Therapie des metastasierten Mammakarzinoms (mBC).1-4
In ihrem Vortrag ging Dr. Hope S. Rugo, Division Chief of Breast Medical Oncology in Los Angeles, auf aktuelle Daten zur Kombination aus Immunchemotherapie (IO) und Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADCs) bei der Behandlung des metastasierten triple-negativen Mammakarzinoms (mTNBC) ein:1
Auch beim Hormonrezeptor-positiven (HR+), HER2-negativen (HER2–) mBC zeigt sich ein Bedarf für kombinierte Therapieansätze. So kommt es laut Dr. Ian Krop, Yale Cancer Center, unter SERD-Monotherapien zu einer frühzeitigen Progression bei 40 % der Patientinnen.2 Der Brustkrebsexperte stellte diesbezüglich 3 Interventionsmöglichkeiten dar:2
Um bereits präventiv zielgerichtete Therapien einzusetzen, muss der klinische Benefit gegenüber einer Behandlung bei Progress nachgewiesen werden. Hierfür eignen sich Dr. Krop nach prospektive Crossover-Studien, damit die optimale Therapiesequenz festgestellt werden kann.2
Diese Frage stellte Prof. Dr. Christos Sotiriou vom Jules Bordet Institute zu Beginn seines Vortrags über sogenannte „außergewöhnliche Responder“ (engl.: exceptional responders, ExRes).3 Diese werden aktuell in mehreren Studien bei verschiedenen Krebsarten untersucht, darunter z. B. die NCI Exceptional Responders Initiative.
Während die Evidenz bislang noch zu gering ist und es bei manchen ExRes trotzdem zu einem Progress kommt, könnten laut Prof. Sotiriou folgende Elemente helfen, das Ziel zu erreichen:3
- Krankheitslast verlässlich auswerten: PET/CT besser als konventionelles CT beim mBC; complete metabolic response ergänzend zu CR
- Krankheitsfreier Status auf molekularer Basis: ctDNA-Dynamiken können einen Progress ca. 3 Monate im Voraus feststellen; routinemäßiges Monitoring mit ctDNA jedoch noch nicht von Fachgesellschaften empfohlen
Studiendesigns der Zukunft: Patientenzentrierter & pragmatischer
Den Abschluss des Symposiums machte Prof. Dr. Giuseppe Curigliano von der Universität Mailand: Der Onkologe stellte die aktuellen Herausforderungen für klinische Studien (z. B. steigende Kosten und Komplexität) dar und plädierte für
- patientenzentrierte Endpunkte (Gesamtüberleben und/oder Lebensqualität),
- weiterentwickelte Kontrollarme (adaptive Studien oder externe Kontrollarme),
- pragmatische Studien (z. B. die ROME-Studie13) sowie
- obligatorische Crossover-Designs bei Studien, die Therapiesequenzen evaluieren.4
Beim letzten Punkt verwies Prof. Curigliano auf die von Dr. Krop bereits erwähnte SERENA-6-Studie und deren Nutzung von Liquid Biopsy, um Progresse frühzeitig zu erkennen. Die Plasmaanalyse könne eine gute Unterstützung für solche Studien sein, hierfür sei aber eine strikte methodische Vorgehensweise erforderlich.4